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Perfekte Wasserlandung
Breitling Superocean Héritage 46
Wasser und die
Fliegerei gehören seit mehr als 100 Jahren untrennbar zueinander. Und
auch wenn die Ära der grossen Flugboote (Clipper, BV 238, Mars etc.)
oder auch der faszinierenden experimentellen Düsenjäger (Saunders-Roe
SR.A/ oder Sea Dart) resp. -bomber (SeaMaster) mit Schiffsrumpf heute
längst vorbei ist, so finden sich rund um den Globus noch immer
zahlreiche unverzichtbare Flugzeugtypen, meist mit Propeller und
Schwimmkörpern ausgestattet, die an die grosse Zeit erinnern, da ein
Hafen sowohl für Schiffe wie auch Flugzeuge gedacht war. Vor diesem
Hintergrund überrascht es vielleicht etwas weniger, dass ausgerechnet
Breitling, ein Unternehmen, das den Begriff „Fliegeruhr“ wie kein
anderes für sich beansprucht, auch Uhren für den Einsatz im Wasser im
Programm hat. - Und das mit beachtlichem Leistungsausweis und ebenso
beachtlicher Historie in dieser Beziehung.
Breitlings Jungfernflug
in die Welt unterhalb des Meeresspiegels fand vor genau 50 Jahren statt:
1957, mit der bis 200 Meter wasserdichten Superocean. Die damals primär
für Berufstaucher entwickelte Uhr trug erstmals den bis heute
beibehaltenen Namen in die Öffentlichkeit. „Schalenbauweise“ und
„Panzerglas“ sollten laut Breitling genau die Vorzüge bringen, die von
einer zunehmend grösser werdenden Zielgruppe gefordert wurden. Und mit
dem damals ebenfalls erhältlichen Schwestermodell Superocean Chronograph konnte
Breitling auch die Kernkompetenz des Unternehmens unterstreichen -
schliesslich gilt die Messung von Zwischenzeiten seit 1915 als
eigentlicher Schwerpunkt des Unternehmens.
Die eigentliche
Erfolgsgeschichte der Taucheruhren mit dem Namen Breitling sollte indes
erst weit nach Übernahme der Markenrechte durch Ernest Schneider
erfolgen: 1995 überraschte Breitling beispielsweise mit einer bis 1‘500
Meter wasserdichten Taucheruhr, 2002 brach eine bis 3‘000 Meter
wasserdichte Uhr sämtliche bislang geltenden Rekorde innerhalb der
mechanischen Taucheruhren-Welt, und bis heute fallen die aktuellen
Modelle vor allem durch ein Attribut auf: Sie schneiden in allen Tests
der Fachpresse überdurchschnittlich gut ab, obschon sich die
Gestaltungselemente der Breitling-Taucheruhren in der Regel stark vom
üblichen Design unterscheiden.
Die an der Baselworld
2007 anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums des Ur-Modells vorgestellte (wenn
dort auch nicht offiziell ausgestellte) Superocean Heritage ist da
natürlich eine Ausnahme: Wie der Namenszusatz bereits vermuten lässt,
orientiert sie sich mehr oder weniger am Original von 1957 und somit
auch am klassischen Taucheruhren-Design. Sie passt damit perfekt in den
derzeit herrschenden Trend der Hommagen und geht gleichzeitig nicht ganz
so streng mit der historischen Vorgabe um: Insbesondere die beim
Ur-Modell auffälligen Indexe und die nach Innen abfallende Lünette
wichen einem insgesamt und für Breitling sowieso dezenteren Design;
Wasserdichtheit und Gesamt-Eindruck bleiben aber sehr nahe an der
Vorgabe.
Auf jeden Fall
überrascht es angesichts so viel Klassik nicht, wenn selbst
hartgesottene Breitling-Kritiker (zu denen sich auch der Autor zählt)
zugeben, dass es sich hier um eine Uhr handelt, die gefährlich für die
Brieftasche werden könnte.
Und – Hand aufs Herz –
eines muss man ihr wirklich lassen: Sie ist schlicht und ergreifend
wunderschön.
Was Sie hingegen nicht
ist: Sie ist weder günstig, noch als kompromissloses „Instrument for
Professionals“ ausgelegt. Selbstverständlich kann man mit ihr abtauchen,
die Lünette ist sogar überraschend griffig - aber mit 200 Meter
Wasserdichtheit fällt der Vergleich zu den anderen Modellen des
Herstellers (die z.T. bis 15x tiefer gehen, mit Heliumventilen etc.
ausgestattet sind) natürlich schwer. Hinzu kommen kleinere
Regelverstösse wie ein Sekundenzeiger ohne Leuchtmasse und eine Lünette
ohne durchgehende Nummerierung, die man in Grenchen bislang nicht in
Kauf nehmen wollte.
Sei’s drum, es bleibt –
wie bereits erwähnt - eine wunderschöne Uhr.
Was man sich hingegen
bei aller Verliebtheit nicht ganz schön reden kann: Mit CHF 3‘480.- für die hier abgebildete
Variante mit Kautschukband wird doch ein sehr professioneller Preis
verlangt, der entsprechend auch nicht ganz kommentarlos bleiben soll. – Auch wenn
Diskussionen um den Preis sowieso eher sinnlos sind, in einer Branche,
da sich teure Uhren tendenziell einfacher verkaufen lassen und da eine
Marke meist mehr wiegt, als das Produkt selbst. Aber nichtsdestotrotz
liegt im vorliegenden Fall der Verdacht nahe, dass Breitling bei der
Preisfindung schlicht und einfach das Modell aufwerten und in die Nähe
des Mitbewerbers Planet
Ocean bringen wollte. Denn wie sonst liesse sich erklären, dass man
in der aktuellen Kollektion nach wie vor eine bis 3‘000 Meter dichte
Avenger Seawolf im Titangehäuse für CHF 2‘990.- kriegt?
Selbstverständlich werden die Qualität, Durchmesser und bspw. das Zifferblatt bei
der Superocean Héritage recht ins Produktionsbudget eingegriffen haben, aber nichtsdestotrotz
fällt eine Rechtfertigung schwer.
Wie gesagt, es ist und
bleibt eine wunderschöne Uhr. Eine Uhr, die sich punkto Verarbeitung
keinerlei Schwächen leistet, aber die dennoch mit einem Werk auf
ETA-Basis (2824), einem simplen Drehring-Inlay ohne jede Raffinesse und
einem hochglanzpolierten Gehäuse auskommt.
Wer damit leben kann,
kriegt dafür eine Menge an Perfektion geboten: Angefangen bei den
wunderbar dimensionierten und ausgeführten Zeigern, einem
atemberaubenden Blick aufs Zifferblatt oder der cleveren variablen
Faltschliesse - die Superocean Heritage bietet keine einzige Sekunde
lang irgend etwas, das sich wirklich bemängeln liesse (ausser
vielleicht, dass der Werkdurchmesser nicht unbedingt mit den
Zifferblattabmessungen mithalten kann, was mit dem Datum bei 6 Uhr aber
sehr elegant gelöst wurde).
Selbst wem die mit 46
mm zwar stattliche, aber dennoch sehr komfortable und flache Uhr zu
gross sein sollte: Die Variante mit 38 mm Durchmesser und dezentraler
Sekunde hat ebenfalls ihren Reiz. Und als blaue, braune (Bronze) oder
schwarze Version in beiden Grössen dürfte sich so auch garantiert die
ideale Begleiterin für jeden Badewannen-Piloten finden lassen.
Bei den Bändern steht
das farblich abgestimmte Leder- oder das hier abgebildete Kautschukband zur Verfügung, wahlweise gibt’s
auch das aufgrund fehlender Bandanstösse etwas ungewohnte anmutende,
geflochtene Stahlband „Ocean Classic“ (mit entsprechendem Aufpreis) -
plus natürlich alles, was zur Bandanstossbreite von 24 mm passt.
Auf dem Zifferblatt
gibt’s – wie man es von Breitling gewohnt ist – jede Menge zu lesen, u.a.
auch, dass das Werk (Breitling Kal. 17) wie gewohnt COSC-zertifiziert
ist. Und daran gibt’s wenig zu zweifeln, die Gangresultate sind äusserst
erfreulich.
Fazit:
Makellose
Uhr, für Breitling (noch) überdurchschnittlich teuer. Aber wer sich dem
Reiz dieses wunderschönen Instant-Klassikers ebenfalls nicht entziehen
kann, kriegt auch überdurchschnittlich viel Freude mit auf den Weg –
unabhängig davon, ob dieser nun auf, über oder unter dem Meeresspiegel
verläuft.
Ein paar Bemerkungen:
Dieser Artikel stand – auch wenn Breitling gelinde gesagt nicht zuoberst auf der Liste
der präferierten Marken des Autors steht - seit
mehreren Jahren ganz oben auf der Liste der präferierten Themen des
Autors. Und angesichts des bevorstehenden
Breitling-Taucheruhren-Jubiläums im Jahr 2007 wurde der Wunsch nach einer
detaillierten Recherche schon vor ein paar Jahren noch grösser als sonst.
Die Aufarbeitung von
Breitlings langer Taucheruhrenhistorie,
die Meilensteine und Innovationen dieses Unternehmens etc. galten als
eines der lohnenswertesten verbleibenden Themengebiete für diese
Website; insbesondere auch deshalb, da sich bislang niemand an das Thema
gewagt hatte. Aber: Ohne Zugang zu offiziellen Quellen war
das Projekt in diesem Fall von Anfang an zum
Scheitern verurteilt.
Und sollte es auch bleiben: Denn bedauerlicherweise wurde eine entsprechende Anfrage an die
Presseabteilung von Breitling im Jahre 2006 unmissverständlich mit einer
Absage beantwortet. Insofern musste dieser Kurz-Artikel um das eigentliche
Thema – nämlich Breitlings Taucheruhrenhistorie – bedeutend gekürzt
werden und fast ausschliesslich das aktuelle Modell behandelt werden.
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Zweifellos ein grosser Wurf - Breitlings
Neuauflage der Superocean
von 1957 darf als geglückte Hommage gelten |
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Der einseitig, satt rastende Drehring mit
Sperrkegel (120 Schritte) ist überraschend gut zu
greifen; befestigt wird er mit sechs seitlichen
Schrauben; und (auch wenn historisch inkorrekt):
eine Leuchtperle bei der 12-Uhr-Markierung hätte
nicht geschadet, insbesondere angesichts eines
nicht ganz günstigen Preises |
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Mit 46 mm Durchmesser
ziemlich gross - die flache Bauart und die tief
herabgezogenen Hörner lassen die Uhr trotzdem
problemlos auch durchschnittliche Handgelenke
pilotieren |
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Die verschraubte Krone
mit Gravur - angesichts der überdurchschnittlichen
guten Verarbeitung der ganzen Uhr ist man gewillt,
auch deren perfekte Ausrichtung als gewollt zu
betrachten |
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Die klassische Superocean von 1957, die als Vorlage der aktuellen
Interpretation herzlich wenig Raum für einen Flop liess. Die
Chrono-Version der Superocean wird 2008 lanciert |
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Die Faltschliesse des
Kautschukbands lässt sich unkompliziert
verstellen; als Tauchverlängerung nur bedingt
nutzbar, aber fürs tägliche Leben äusserst
angenehm |
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Ein schlichter
Gehäuseboden, der zwar keine Kritik zulässt, aber
vielleicht ein paar Wünsche unerfüllt lässt |
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Die 46er-Variante mit
blauem resp. braunem Zifferblatt |
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Die kleine Variante
mit kleiner Sekunde gibt's ebenfalls in den drei
Farben, hier die schwarze und die braune Variante |
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(Update 2008): Die
anfangs 2008 ausgelieferte Chrono-Version |
DATEN
Modell: Breitling Superocean Héritage 46
Referenz-Nummer: n.b.
Lancierungsjahr: 2007
Zifferblatt: schwarz mit aufgesetzten Indexen
Werk: Breitling Kal. 17 (Basis ETA 2824), weisse Datumsscheibe, 25 Rubine, ca. 48h Gangreserve bei Vollaufzug, COSC-geprüft
Gewicht: ca. Gramm
Grösse: 46 mm Durchmesser, ca. 13 mm Höhe, 24 mm Bandanstossbreite
Gewicht: ca. 156 Gramm (mit Kautschukband)
Band: Kautschkukband "Ocean Racer", Stahl- und
Lederoptionen erhältlich
Gehäuse: Stahl poliert, Krone verschraubt, einseitig drehbarer Drehring
(120 Schritte)
mit Aluminium-Einlage
Glas: Saphir bombiert, beidseitig entspiegelt
Zubehör: Breitlings
schwarze Bakelit-Box, eine integrierte Reise-Box/Kissen, Umkarton,
Bedienungsanleitung, Garantieschein und COSC-Zertifikat gehören
zum Lieferumfang
Preis: ab CHF 3'480.- (2007) |
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