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Das
Ding, das aus der Tiefe kam
cx
Swiss Military Watch 12'000 Feet
Nach
weit über zehn Jahren aktivem Aufenthalt in der Taucher-Uhren-Szene,
intensivster Tuchfühlung mit praktisch allen verfügbaren
Taucheruhrenmodellen und einem fast schon abgeklärten Verhältnis dem Thema
gegenüber, wer hätte da gedacht, dass gerade so jemand zuerst einmal ganz
Tief Luft holen musste, als er an der Basler
Uhrenmesse im Frühjahr 2005 das erste mal dem hier vorgestellten Modell
gegenüberstand? – Nun, dem Autor dieser Website
ist es jedenfalls so ergangen.
Wer
hätte gedacht, dass das Wagnis, die erste mechanische Uhr zu entwickeln,
die die seit 2002 geltende Höchstmarke von 3'000 Meter Wasserdichtheit
(Breitling) knacken würde, von einem für mechanische Uhren eher wenig
bekannten Hersteller eingegangen wurde, der sich bislang zudem überhaupt
nicht im Bereich der mechanischen Tieftaucheruhren aufgehalten hatte? Und
wer hätte gedacht, dass es nicht nur die erste seriengefertigte,
mechanische Taucheruhr sein würde, die bis zu einer garantierten Tiefe von
3'657 Metern wasserdicht bleibt, sondern dass es gleich auch noch ein
ungemein schwieriger abzudichtender Chronograph sein würde, der alle jemals
und momentan verfügbaren mechanischen Serien-Taucheruhren punkto Gehäuse-Konstruktion
und Tiefenrausch in den Schatten stellt? – Der Autor dieser Website hätte
es jedenfalls erneut nicht gedacht.
Eines
überraschte den Autor hingegen überhaupt nicht: Dass die erste Begegnung
mit der neuen Nummer 1 nämlich fast alles in den Schatten stellen würde,
was man sich bisher von mechanischen Taucheruhren gewohnt war: Angefangen
bei Grösse, Gewicht und Ausstattung hat die cx Swiss Military Watch 12'000
Feet eindrücklich bewiesen, dass das Thema Taucheruhr noch lange nicht
ausgereizt ist. Es kommt eben doch manchmal auf die Grösse an…
Eine
erste Trainingsstunde in der neu geschaffenen Schwergewichtsklasse (und als
kleine Warnung – eine grosse Uhr verlangt auch nach einer umfangreicheren
Review):
3’657
Meter. - 3’657 Meter?!?
Noch
nie in der Geschichte der mechanischen
Uhr hat eine seriengefertigte, mechanische Taucheruhr einer solchen,
unvorstellbaren Tiefe getrotzt. Erst recht noch nie ein Chronograph.
Insofern ist die Frage natürlich berechtigt, ob es überhaupt sinnvoll ist,
eine Uhr auf dieses gigantische Leistungsspektrum auszurichten. Aber wer
dieses allzu menschliche „Höher-Weiter-Schneller-Prinzip“ verneint,
wird wahrscheinlich auch keinerlei Verständnis für immer performantere
Sportwagen aufbringen. Oder noch höhere Wolkenkratzer, Überschall-Verkehrsflugzeuge
und dergleichen, die meist nur ein Ziel vor Augen hatten: Das bislang
Undenkbare in die Realität umzusetzen.
Und
genau so verhält es sich mit der cx Swiss Military Watch 12'000 Feet des
seit Jahrzehnten in Basel beheimateten Unternehmens
Charmex:
mindestens zwei Drittel ihrer „Leistung“, so ehrlich kann man ruhig
sein, werden nie in der Praxis aufgerufen werden, und bereits im ersten
Drittel ist ein grosses Stück Leistungsreserve enthalten. Dennoch lag und
liegt gerade darin der Reiz dieser Uhr - etwas zu schaffen oder zu besitzen,
das bislang nicht möglich resp. existent war.
Es
ist schlichtweg die wasserdichteste mechanische Uhr, die jemals frei erhältlich
war. Punkt. Und auch wenn sie anstelle „Höher, weiter, schneller“ eher
die Kategorie „Tiefer, grösser, schwerer“ belegt, so kann sie nur
demjenigen Freude bereiten, der grundsätzlich Freude an Rekorden und
Innovationen besitzt. Wer hingegen nicht versteht, warum jemand bspw. an
Bord eines Ballons um die Erde fliegt, dem wird sich auch der Reiz der
12'000 Feet nur schwer erschliessen.
Fazit:
Luxusuhren waren per se schon immer eine Frage der Emotion und nicht der
Ratio; das trifft auch auf die neue Nummer 1 der Extremtaucheruhren zu. Und
wer sich für genau dieses „Extrem“ nicht begeistern kann, wird an der
cx Swiss Military Watch 12'000 Feet wenig Freude haben. Dafür an
unspektakulären Taucheruhren, die bis 100 Meter wasserdicht bleiben.
Alle
anderen dürfen jetzt weiter lesen.
Der
Unterschied zwischen „gross“ und „gigantisch“
Auch
wenn die cx Swiss Military Watch 12'000 Feet eher zu den ganz grossen Uhren
gehört, so täuscht ihr ungemein harmonischer Aufbau doch über die tatsächliche
Grösse hinweg – einerseits darf dies ruhig als grosses Kompliment an den
Gestalter verstanden werden, da hier ausnahmsweise die ganze Uhr passend auf
die Grösse realisiert wurde, andrerseits sollen die hier gezeigten Bilder
nicht über die Tatsachen hinwegtäuschen: Alleine schon die Krone bringt es
auf stattliche 8 mm Durchmesser, und der Drehring allein schafft es auf rund
47 mm und 5 mm Höhe. Als Vergleich: Bei ca. 47 mm hört die obere Gehäuse-Skala
bei Panerai auf. Eine Breitling Super Avenger dagegen ist mit 153 g zwar nur
etwa halb so schwer, mit über 48 mm aber auch nicht viel kleiner.
Die
cx Swiss Military Watch 12'000 Feet ist also wirklich gross. Und schwer:
Selbst am leichteren Kautschukband bringt die cx Swiss Military Watch 12'000
Feet mit rund 285 g noch mehr Gewicht mit als eine herkömmliche Packung
Schweizer Vorzugsbutter. In der Vollausstattung mit Stahlband kommen gar 368
g zustande – eine Zahl, die bislang nur ganz wenigen Platin- oder
Vollgold-Uhren vorbehalten war; wenn überhaupt. Und welches gut und gerne schon mal dem
dreifachen Gewicht einer herkömmlichen Armbanduhr entspricht.
Angesichts
der strengen Limitierung und des sicherlich nicht lückenlosen
Vertriebsnetzes des Anbieters dürfte
die wichtigste Frage vor dem Kauf somit also ganz einfach die sein, ob ein
solcher Brocken überhaupt tragbar sei.
Zur
grossen Überraschung des Autors ist er das. Und zwar bereits dann, wenn die
(Massstab bereithalten!) Breite des Handgelenks mindestens 5.5 cm beträgt
(und somit jenseits herkulesscher Dimensionen ist) – dank der beweglichen
Bandanstösse beim Kautschukband sitzt die Uhr nämlich überraschend gut am
Arm. Freilich bleibt sie auch dann noch äusserst eindrücklich mit ihrer
schieren Präsenz, aber diese letzte Hürde lässt sich ebenfalls ziemlich
einfach nehmen: Betrachtet der Träger die cx Swiss Military Watch 12'000
Feet nämlich durch einen Spiegel, verliert die Uhr schnell jeglichen
Superlativ - gerade in einer Zeit, da der Markt an 47 bis 50 mm Uhren noch
immer regen Zulauf erfährt.
Und
die 12'000 Feet ist erst noch überraschend angenehm zu tragen: Einerseits
dank des grossen Gehäusebodens, der die Uhr sicher am Platz hält und
jeglicher Kopflastigkeit vorbeugt, andrerseits gerade auch dank des grossen
Abstands von Krone und Drückern zum Handgelenk, der - gepaart mit dem
Fehlen jeglicher scharfer Kanten - die cx Swiss Military Watch 12'000 Feet
überraschend bequem am Handgelenk sitzen lässt. Und an das etwas hohe
Gewicht gewöhnt man sich ebenfalls ziemlich schnell.
Falls
nicht, darf sich der Träger dafür bald über etwas mehr Muskelmasse
freuen.
Einzig
die Variante Stahlband erfordert entweder ein etwas kräftigeres Handgelenk
als das des Autors, da gerade die massiven, verschraubten Glieder nochmals
weit ausholen. Oder bestenfalls einen 5 mm Neopren-Anzug – denn für
dieses Outfit wurde die cx Swiss Military Watch 12'000 Feet ja eigentlich
gemacht.
Fazit:
Die cx Swiss Military Watch 12'000 Feet ist unbestritten auch punkto Grösse
und Gewicht eine Ausnahmeerscheinung, trägt sich am Kautschukband aber überraschend
unspektakulär. Und wer sich für diese Uhr interessiert, sollte unbedingt
zuerst abklären, ob die Uhr zum Handgelenk passt. Andrerseits: Wer sich für
einen H1-Hummer-Geländewagen interessiert, wird sich in der Regel vorgängig
auch keine Gedanken über die Suche nach Parkplätzen gemacht haben.
Apropos
Ausnahmeerscheinung
In
der Hitparade der meistkommentierten Uhren nahm die cx Swiss Military Watch
12'000 Feet bereits am ersten Trage-Tag einen unangefochtenen Spitzenplatz
ein. Noch nie wurde eine Uhr so häufig und so direkt durch das Umfeld
kommentiert. Selbstverständlich reichte die Qualität der Kommentare von
„Oh Gott, das kann nicht Dein Ernst sein“ bis hin zu „Das nenne ich
mal eine richtige Uhr“. Allen gemein war hingegen das anschliessende, fast
ehrfurchtsvolle Begutachten der Uhr, welches meist mit einem stummen,
nickenden Zurückgeben seinen Abschluss fand.
Dasselbe
Phänomen zog sich auch durch gängige Sammlerforen – niemand konnte die
Uhr unkommentiert lassen. Einzig die Sache mit dem persönlichen Begutachten
funktioniert online leider überhaupt nicht – Breitband hin oder her, die
50 mm Edelstahl passen durch keine Leitung.
Es
liegt ganz einfach daran, dass die 12'000 Feet gar nicht anders kann, als
aufzufallen: Es gibt auf dem ganzen Planeten vermutlich kein einziges Hemd,
unter das die Uhr geschoben werden könnte. Und nur wenige Pullover, die die
Uhr verkraften. Und es ist und bleibt ein ziemlich besonderes Gefühl, eine
über 300 Gramm schwere Uhr von einer Hand in die andere gleiten zu lassen.
Fazit:
Wer sich für eine 12'000 Feet entscheidet, soll bitte nicht überrascht
sein, wenn er mit der Uhr auffällt.
Die
Grosspackung
Die
12'000 Feet zeigt aber noch andernorts ihre Liebe zur Grösse: Der
Lieferumfang ist nämlich ebenfalls ziemlich umfangreich und gross
ausgefallen: Einerseits wäre da mal die hochglanz-lackierte schwarze Box,
in der normalerweise ganze Uhrensammlungen Platz finden. Darin findet der
Besitzer alles, was er für den grossen Auftritt braucht:
Bedienungsanleitungen, Zertifikate, Schraubenzieher, Alternativ-Band und ein
ebenfalls riesiges Staubtuch.
Fazit:
Schöne, grosse Box mit allem, was das Herz begehrt.
Die
Bandansage
Serienmässig
wird die 12'000 Feet mit einem massiven Stahlband montiert ausgeliefert.
Es wiegt alleine schon etwa so viel wie eine herkömmliche Uhr, trägt sich
aber sehr angenehm und sorgt für zusätzliche Balance zwischen Uhr und
Band. Die gravierte Faltschliesse verfügt über einen Sicherheitsbügel,
einen doppelten Drucktastenverschluss sowie über eine ausklappbare
Tauchverlängerung. Gerade in Kombination mit den verschraubten Gliedern lässt
es sich ebenso einfach kürzen wie wechseln; kann aber punkto
Verarbeitungsqualität nicht ganz mit der 12'000 Feet mithalten. Und wie
bereits erwähnt: die etwas starre Bauweise des Bandes könnte bei manchem
Träger mit schmaleren Handgelenken dazu führen, dass das Stahlband im
Bandanstossbereich etwas absteht.
Als
sehr viel problemloser hat sich hier das bereits erwähnte Kautschukband (im
Lieferumfang enthalten) gezeigt: Einerseits liegt es etwas straffer am
Handgelenk an, andrerseits erfüllt es allen Band-Fetischisten den Traum
unlimitierter Vielfalt: Die Adapter-Stücke nämlich nehmen grundsätzlich jedes Band mit
19mm Bandanstossbreite problemlos auf und ermöglichen es, die Uhr in jeder
gewünschten Band-Kombination zu tragen (schwarzes Leder mit roter Ziernaht
steht derzeit hoch im Kurs).
Einzig
die etwas zierliche Faltschliesse (Butterfly-Prinzip) fällt bei dieser Uhr
der Extreme etwas aus dem Rahmen: Einerseits ist sie zwar ein erneuter
positiver Beweis dafür, dass man der 12'000 Feet eher mehr als weniger mit
auf den Weg geben wollte, dafür macht sie das Anlegen der Uhr etwas umständlich,
wenn es darum geht, das überstehende Band-Ende durch die zwei äusserst
engen übrigen Schlaufen zu ziehen. Hier wird sich vermutlich der eine oder
andere Besitzer, der sich nicht fürs Stahlband entscheiden konnte, für
ganz wenig Geld vielleicht noch eine etwas weniger aufwändige, dafür
bombensichere Dornschliesse zulegen wollen und die Faltschliesse für
rutschigere Band-Materialen aufbewahren. Gerade dann, wenn die Uhr zwar mit
unter Wasser darf, aber neue Tiefenrekorde ex Handgelenk vermieden werden
sollen.
Apropos
aufwändig: Der Bandwechsel zwischen Stahl- und Kautschuk-Variante hat sich
beim hier getesteten Modell als etwas unerwartet schwierig erwiesen: Eines
der Adapter-Stücke des Kautschuksbandes konnte erst mit einigem
Kraftaufwand montiert und verschraubt werden. Fraglich ist hingegen, ob sich
dies bei den Serien-Modellen ähnlich verhält, da das hier gezeigte Modell
noch aus dem Test-Run der Vorserie stammt (was übrigens auch die vereinzelt sichtbaren
Kratzer auf den Bildern erklärt).
Fazit:
Besonders positiv erweist sich bei der 12'000 Feet der Umstand, dass der zukünftige
Besitzer trotz proprietärem Bandsystem jedes Band in 19 mm Breite montieren
kann. Insgesamt konnten aber die beiden mitgelieferten Bänder trotz grundsätzlich
hoher Qualität nicht 100% überzeugen.
Extrem erfreulich: Der Hersteller hat umgehend reagiert und rüstet die
12'000 Feet ebenfalls mit einer massiven Dornschliesse aus.
Schau
mir in die Augen, Kleiner
Punkto
Zifferblatt bietet Charmex mit der Swiss Military Watch 12'000 Feet gleich
vier Optionen an: Die vorgängig in Basel einem breiten Publikum vorgestellte
gelbe Zifferblattversion sowie die hier mehrheitlich gezeigte, etwas
klassischere und dezentere Variante mit schwarzem Zifferblatt. Ebenfalls
erhältlich sind nun auch eine blaue und silberne Version. Die gelbe
Version bietet sicherlich mehr Kontrast; dafür gerade in Kombination mit
dem rot-weissen Wappen eine etwas belebtere Farbwahl. Dafür verfügen alle Varianten über schwarz eingefasste Zeiger, die konsequenterweise bei der
schwarzen Zifferblattversion noch etwas kleiner wirken.
Überhaupt
hätte hier genau zu diesem Punkt impulsiv eigentlich die erste Kritik
erscheinen sollen – nämlich, dass die Zeiger im Vergleich zur Massivität
der Uhr zu fein ausgefallen seien. Nach reiflicher Betrachtung musste der
Autor diese Kritik jedoch wieder zurücknehmen. Denn: Wäre der
Minutenzeiger dicker ausgefallen, wäre die Chronographen-Funktion zu stark
beeinträchtigt worden. Die gewählte Form von eindeutig unterscheidbarem
Stunden- und Minutenzeiger dürfte vermutlich das Optimum an Sichtbarkeit
darstellen.
Aber
damit auch ich noch ein Haar in der Suppe finden kann: Vielleicht hätte der
Sekundenzeiger etwas länger und sowohl Stunden- als auch Minutenzeiger mit
weisser anstelle schwarzer Farbe gefasst worden sein.
Besonders
positiv fiel dafür die Zusammenfassung der Chrono-Funktion in roter Farbe
aus, während die reguläre Zeitmessung mit weissen Zeigern eindeutig
separierbar gezeigt wird.
Ebenfalls
äusserst positiv fiel die Verarbeitung von Blatt und Zeigern aus – hier
gibt’s nun wirklich nichts zu bemängeln – auch nicht mit einem
Makro-Objektiv (was bei dieser Uhr übrigens ziemlich überflüssig ist –
ein Teleobjektiv käme der Sache vermutlich näher). Und – auch das darf
ruhig mal gesagt werden – schön, wenn ein Hersteller bei der Gestaltung
der Minuterie auf die kleinere Unterteilung denn Minuten/Sekunden verzichtet
– meistens stimmt diese sowieso nie mit der Schlagzahl des Werkes überein
und das Blatt profitiert von zusätzlicher Ruhe.
Und
da in 3'657 Metern Tiefe sowieso nur noch totale Dunkelheit herrscht, verfügt die
12'000 Feet über anständige Leuchtkraft, die wenig spektakulär ist, dafür
aber mit Langlebigkeit zu punkten weiss. Die Chronographen-Funktion einmal
ausgeschlossen.
Fazit:
Die gelbe Version dürfte etwas mehr Kontrast unter Wasser bieten, während
die schwarze den eher klassisch orientierten Käufer ansprechen wird; beide
Zifferblatt-Varianten sind ausreichend ablesbar und gut verarbeitet, der
Minutenzeiger hätte jedoch bei der schwarzen Zifferblattvariante etwas
wirkungsvoller werden dürfen. Die blaue und silberne Version konnten
bislang noch nicht begutachtet werden.
Praxistauchlichkeit
Sie
kann von sich behaupten, was nur ganz wenige können: Dass es sich nämlich
bei den 12'000 Fuss um keinen theoretischen Wert handelt. Und selbst wenn
man ihr diese Fähigkeit schon bei der ersten Berührung widerspruchslos
abnimmt, so liefert sie den Beweis mit: Das Ozeanographische Institut der
Universität von Southampton prüfte die 12'000 Feet sowohl im Drucktank auf
365 bar (was rund 3.5 Tonnen Gewicht entspricht), senkte ein weiteres
Exemplar aber auf reale 3'657 Meter unter dem Meeresspiegel ab. Und zwar an
der Aussenseite eines Tauchroboters.
Ebenfalls
befindet sich ein Exemplar seit März 2005 in einer Tiefe von 2'500 Metern
und wird diesen Belastungen noch bis März 2006 standhalten müssen. Und da
kein Frei-, Scuba- oder Perlentaucher mit Hang zu grossen Uhren jemals in
diese Tiefe kommen wird, kann man auch getrost sagen, wo dieses einzigartige
Experiment stattfindet: Nämlich vor der New England.
Bislang
hat die 12'000 Feet jeder Belastung problemlos Stand gehalten, das über 5
mm dicke Saphirglas vermag somit einem Druck von beeindruckenden 370 kg pro
cm2 zu trotzen.
Dieser
Umstand dürfte auch all jene Paragraphenreiter überzeugen, die nicht ohne
DIN-/ISO-Konformität leben können. Wie zahlreiche andere namhaften
Taucheruhren auch verzichtet die 12'000 Feet auf diese Zertifizierung. Dafür
bietet sie beispielsweise eine klassisch gestaltete Drehlünette mit 15-er-Ausschreibung,
die mit einer durchgängigen Minuterie nur halb so edel geworden wäre. Das
Inlay der Lünette ist geschwärzt, sämtliche Relief-Elemente sind
hochglanz-poliert. Traumhaft schön.
Beim
Betrachten der etwas glatten Kanten der Lünette liegt der Schluss nahe, sie
könnten im Wasser oder mit Handschuhen zu wenig Halt führen – in Tat und
Wahrheit aber bietet die über 5 mm hohe Lünette ausreichend Fläche und
Halt für jede Hand. Und mit 120 Klicks und perfektem Sitz auf 12 Uhr wird
sie erst recht zum Hand- und Augenschmeichler.
Dieser
Eindruck setzt sich übrigens nahtlos fort: Eine fast einmalig griffige
Krone (kein Wunder bei 8mm Durchmesser), die erst noch mit einer gerade
positionierten Gravur erfreut, die als „geschlossen“ oder „geöffnet“
bezeichneten Drücker oder die dezente Bodengravur mit eingesetzter
Farbmarkierung, der perfekte Sitz des Saphirglases – alles spricht die
selbe Sprache: Zweckmässige, liebevolle Details, die sich nur mit einem
hohen Qualitätsdenken erklären lassen. Oder die Neu-Interpretation des
Heliumventils, das bei einer Uhr dieses Kalibers vermutlich gar nicht nötig
gewesen wäre, aber der Vollständigkeit halber integriert wurde.
Fazit:
Den
einzigen Bedienungsabstrich, den ein Besitzer einer 12'000 Feet je wird
machen müssen: Sollte er auf eine Tiefe von 3'657 Meter tauchen wollen, müssen
die Chronographendrücker erst mit den Überwurf-Muttern verschraubt werden.
Das war’s dann aber auch schon.
Das
Werk des Tiefenrausches
Ein
Valjoux 7750 ist in etwa so weit entfernt vom filigranen Manufakturwerk in
Kleinstauflage, wie Gerätetauchen vom Synchronschwimmen. Und das ist auch
gut so. Das seit 1973 erhältliche Werk zählt nicht nur zu den bewährtesten
mechanischen Werken überhaupt, es kam über die Jahrzehnte in dermassen
vielen Uhren fast aller Hersteller – von 3-Zeigeruhren bis – stark verändert
natürlich - zur 812teiligen Complication – vor, dass man an diesem
Klassiker nur schwer Kritik üben kann.
Natürlich
verfügt es über einen wesentlich simpleren Kupplungsmechanismus als
mancher Konkurrent: Bei der beweglich montierten Welle mit Ritzeln greift
eines ins Sekundenrad des Uhrwerks. Das Gegenüberliegende schwenkt nach
Aktivierung ins Zentrumsrad des Chronographen und setzt den zentralen Zeiger
in Bewegung. Und natürlich stört sich so mancher Besitzer am etwas
kratzenden Geräusch des Aufzugs. Aber was ist das schon im Vergleich zu
unbeschränkter Ersatzteilverfügbarkeit, einfacher Wartung, Zuverlässigkeit
und hoher Gangstabilität?
In
der für die cx Swiss Military Watch 12'000 Feet gewählten COSC-geprüften
Ausführung mit Zertifikat erhält der Käufer zudem eine Top-Qualität, die
im täglichen Einsatz des getesteten Resultats zu äusserst
zufriedenstellenden Resultaten innerhalb der Chronometer-Norm geführt hat.
Ebenfalls spannend fällt der Dimensionsvergleich aus: Das 7750 misst exakt
30 mm Durchmesser und 7.9 mm Höhe – verglichen mit 50 mm Durchmesser und
über 20 mm Höhe zeigt sich eindrücklich, wie viel Material um das Werk
gesetzt wurde, um dieses sicher vor Wasser zu schützen. Vermutlich ist
diese Materialschlacht auch der Grund, weshalb das Ticken des Werks fast
nicht mehr zu hören ist.
Fazit:
Ein äusserst bewährtes Werk für jahrzehntelange Dienste, das fast jeder
Uhren-Interessierte schon anderweitig kennen lernen konnte. Es ist also in
mehrfacher Hinsicht überhaupt kein Verlust, dass der zuverlässige Traktor
sicher unter einem dicken Gehäuseboden verborgen bleibt und zuverlässig
genau das tun wird, für das er bezahlt wurde: Präzise Zeitmessung.
Die
Preisfrage
In
erster Linie stellt sich bei jedem Luxusprodukt die Frage, in wie weit der
Preis überhaupt noch objektiv beurteilt werden darf. Und doch kommt fast
niemand um die Versuchung herum, mit Vergleichen und Einschätzungen
herauszufinden, ob etwas den Preis auch wert ist. Bei der im Lancierungsjahr
3’657 Euro teuren cx Swiss Military Watch 12'000 Feet verhält sich das
nicht anders – und doch ist die Frage kaum zu beantworten, so viel schon
vorneweg. Schliesslich gibt es in diesem Fall nichts Vergleichbares und
alleine schon das über 5 mm dicke und 3.4 cm breite Saphirglas der 12'000
Feet dürfte ein kleines Vermögen gekostet haben.
Dennoch
ein paar Grundlagen für individuelle Rechnereien: Ein bis „nur“ 1'000
Meter wasserdichter, mechanischer Tauchchronograph mit identischem Werk, wie
die Limes 1Tausend beispielsweise, kostete 2005 1'525 Euro, müsste also –
nimmt man einzig und alleine die Wasserdichtheit als Massstab, weit mehr als dreimal teurer sein,
um vergleichbar zu werden; die Breitling Seawolf schlägt (2004) als
immerhin schon bis 3'000 Meter wasserdichte, dafür blosse Dreizeigeruhr mit
ETA 2892 mit rund 2’380 Euro zu Buche; die ebenfalls bis 3'000 Meter
wasserdichte Sea Hawk II von Girard-Perregaux schon mit 6'170 Euro, verfügt
dafür über ein delikates Manufakturwerk mit Gangreserve-Anzeige. Ein
Panerai Submersible Chrono, wasserdicht bis „nur“ 1'000 Meter übertrifft
mit 5'400 Euro den Preis der 12'000 Feet ebenfalls um einen anständigen Faktor, liefert
dafür aber viel Branding-Power und kein Stahlband. Etc. etc.
Kurz
gesagt: Auch wenn der Preis per se ein ziemlich stattlicher ist, im Umfeld
der 3’000-er-Uhren ist die 12'000 Feet sogar eher günstig angesiedelt.
Und der Anteil Marketingkosten ist im Produkt einer eher wenig bekannten
Firma selbstverständlich auch tendenziell kleiner, als im Produkt einer der
weltweit bekanntesten Marken. So findet man vermutlich in der ebenfalls
stark limitierten Professional Diver von der ebenfalls eher kleinen Marke
UTS München eine mit 3'280 Euro UVP ähnlich kalkulierte Uhr, die aber
dennoch nicht mit Chronograph und 657 zusätzlichen Metern Wasserdichtheit
aufwartet.
Fazit:
Man muss sich bei der cx Swiss Military Watch 12'000 Feet einzig und alleine
vor Augen führen, was man für sein Geld kriegt: Ein auf 365 Stück/jährlich
limitierter Tauchchrono mit bewährtem Innenleben, der die Grenze des
momentan Machbaren darstellt. Hinzu kommen eine äusserst umfangreiche
Ausstattung, eine zweckmässig hohe Verarbeitungsqualität und eine noch eher
wenig bekannte Marke. Je nach Betrachtungsweise (Tauchtiefe, Werk, Image)
liefert der persönliche „Dreisatz“ der Preis-Rechtfertigung
Erstaunliches zu Tage. Fast immer zu Gunsten der cx Swiss Military Watch
12'000 Feet.
Fazit
Mit
dem mutigen Entschluss zum Bau der 12'000 Feet wurde erneut der Beweis
angetreten, dass es an der Spitze halt etwas einsamer ist: Von dieser Uhr
werden schliesslich nur ganz, ganz wenige in freier Wildbahn zu beobachten
sein. Aber wenn, dann ist ihr und ihrem Träger jede Aufmerksamkeit
garantiert.
Für
Markenfetischisten dürfte sie vermutlich zu teuer sein; für Liebhaber des
technisch Machbaren eher nicht. Die einzige wirkliche Schwachstelle, die
sich im Test geleistet hat, waren ihre Bänder. Und das will ja auch was
heissen.
Ansonsten
könnte sie sich für echte Taucheruhrenfreaks als überraschend
konventionell zu tragende Exotin mit unangefochtener Spitzenposition punkto
Dimension und Wasserdichtheit entpuppen. Einzig der verbleibende Fuhrpark könnte
etwas leiden – denn wer sich einmal an Gewicht und Grösse der 12'000 Feet
gewöhnt hat, für den wird jede andere Uhr zum Damenmodell.
Überblick
|
Positiv |
Neutral
(=individuell
variierbar) |
Negativ
|
|
Exzellente
Gangergebnisse
Unspektakuläres
aber zweckmässiges Gehäusefinish in überdurchschnittlicher Qualität
Überraschend
grosser und umfangreicher Lieferumfang
Vermutlich
auf längere Zeit hinaus Top-Modell punkto Wasserdichtheit und
Dimension
Im
Vergleich zu ähnlichen Uhren moderates Pricing
Unerwartet
hoher Tragekomfort und Praxistauglichkeit
Zahlreiche
liebevolle Details
Hoher
Bedienungskomfort |
Bewährtes
Design
Bewährtes,
weit verbreitetes Werk in hoher Qualität
Noch
eher wenig bekannter Hersteller für mechanische Taucheruhren
Nachvollziehbarerweise
keine 100%ige DIN-/ISO-Konformität
Keine
Erfahrungswerte punkto Wertstabilität
Ziemlich
auffällige Uhr
Je
nach Bandwahl und persönlicher Präferenz gewöhnungsbedürftiges
Gewicht
Die
Innovation beschränkt sich auf die schiere Tiefenfähigkeit; bewährte,
tauchspezifische Probleme wurden mit bewährten Lösungen gelöst |
Je
nach Band- und Schliessenwahl eingeschränkter Montage- resp.
Tragekomfort möglich, abhängig vom Handgelenks-Umfang
Minutenzeiger
bei schwarzer Zifferblattversion etwas zu unauffällig
|
|
TECHNISCHE
DATEN
Anbieter: Charmex of Switzerland / Montres Charmex S.A.
Marke: Swiss Military
Modell: cx Swiss Military Watch 12'000 Feet
Limitierung: 365 Exemplare pro Jahr
Preis: Euro 3’657 (2005) - Varianten: 4 - Eine Variante mit gelbem,
blauem, silbernen oder eine mit schwarzem Zifferblatt
Wasserdichtheit: 12'000 Fuss resp. 3'657 Meter oder 365 bar
Vorstellungsjahr: 2005
Dimensionen: ca. 48mm Durchmesser ohne Krone, 52mm mit; 22mm Höhe
Funktion: Stunde, Minute, kleine Sekunde bei 9 Uhr, Datumsfenster
bei 3 Uhr; Chronograph mit zentraler Sekunde, 30-Min-Totalisator
bei 12 Uhr, 12-Stunden-Totalisator bei 6 Uhr
Glas: >5mm dickes, entspiegeltes Saphirglas
Zifferblatt: Hochglanzlackiertes Zifferblatt mit abgesetzten
Totalisatoren mit Radial-Muster; aufgesetzte, umrandete
Stundenindexe, aufgesetztes Wappen, gefasstes Datumsfenster mit
weisser Datumsscheibe bei 3 Uhr; Stundenindexe,
Drehring-Markierung, Stunden-/Minutenzeiger und Pfeilspitze
Sekundenzeiger nachtleuchtend (SuperLuminova)
Gehäuse: Massives Edelstahlgehäuse mit dreifach abgedichteter,
verschraubter Krone (8mm Durchmesser) mit massivem Flankenschutz,
verschraubbare Chronographen-Drücker, einseitig drehbare,
rastende (120 Schritte) Taucherlünette (Inlay geschwärzt,
Relief-Zahlen poliert) mit Leuchtperle bei 12 Uhr, integriertes
Heliumventil bei 3 Uhr; massiver, verschraubter Gehäuseboden mit
Gravur
Werk: Valjoux 7750 mit COSC-Zertifikat, 25 Rubine, 28'800 A/h (4
Hz), Schwungmasse mit Pérlage und Logo dekoriert. 30 mm
Durchmesser, 7.9 mm Höhe; rund 47 Stunden Gangreserve, Incabloc
Stosssicherung, Etachron Feinregulierung; keine Zierschliffe
ausser Schwungmasse
Gewicht Uhr ohne Band: ca. 235 g; Gewicht Uhr mit ungekürztem
Stahlband: ca. 360 g; Gewicht Uhr mit Kautschukband: ca. 285 g;
Gewicht Stahlband in ungekürztem Zustand: ca. 125 g
Band: Gebürstetes Stahlband mit massiven Gliedern, verschraubt;
massive Sicherheitsfaltschliesse mit beidseitigem
Tastenverschluss, Bügel und integrierter Tauchverlängerung;
Logo-Gravur auf Faltschliesse; Bandanstossbreite: 25 mm, proprietärer,
verschraubter Anschluss ans Gehäuse
Kautschukband: Wellenfalz, zweifaches Logo-Relief auf beiden
Seiten; Edelstahl-Faltschliesse mit beidseitigem Tastenverschluss;
Bandanstossbreite: 19 mm (Adapterstücke verschraubt)
Zubehör: Überkarton, schwarze Holzbox (L:31 x B:22 x H:8 cm)
lackiert mit Logo-Druck, gelbes Kunst-Leder-Futter,
Schraubenzieher, Bedienungsanleitung, Garantie, Zertifikat und
COSC-Zertifikat; Leder-Badge, Kautschukband
Garantie: 2 Jahre; bei 2-jährigem
Revisionsintervall lebenslange Garantie
WEITERFÜHRENDE LINKS
www.swiss-military.info
www.charmex.com
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