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Der Luxus der Reduktion Officine Panerai Radiomir (PAM 210)
Kein
Drehring, keine Tauchverlängerung am ohnehin ungeeigneten Lederband, kein
Sekundenzeiger und keine ausreichende Wasserdichtheit: Als Taucheruhr fällt
die im April 2005 vorgestellte Panerai Radiomir Base voll durch. Aber das
darf sie auch, schliesslich hat sie diese Karriere schon vor ein paar
Jahrzehnten an den Nagel gehängt. Dafür bietet sie ein fast schon
oppulentes Mass an Reduziertheit – und genau diese zwei unvereinbaren
Begriffe heben einen recht stattlichen Betrag im Geldbeutel auf.
Rückblick Die
breite Masse verbindet mit dem Hersteller Panerai gemeinhin die auffälligen
Modelle mit dem typischen Kronenbügel. Etwas untergegangen ist im
allgemeinen Hype aber die Tatsache, dass die ursprüngliche
Panerai-Armbanduhr noch nicht über dieses Feature verfügte, sondern im
klassischen, aber überdimensionierten Kissengehäuse
mit freistehender Krone zum Einsatz kam: Der erste Prototyp für die
italienische Marine (1936) wurde noch mit dem sogenannten
California-Zifferblatt ausgeliefert (ein Mix aus arabischen und römischen
Ziffern), während das Folgemodell (1938) bereits über das klassische
Panerai-Zifferblatt verfügte, welches dem hier gezeigten Modell zu Grunde
liegt. Die Bezeichnung „Radiomir“ geht hierbei auf das damals
verwendete Leuchtmittel zurück. Der typische Kronenbügel folgte erst fünf
Jahre später (1943) und verhalf der Uhr zu stattlichen 200 Meter
Wasserdichtheit.
Es
überrascht bei näherer Betrachtung nicht, dass die bedeutend markanteren
und und eigenständigeren Luminor-Modelle zuerst lanciert wurden, während
die traditionellere Radiomir-Form lange Zeit vernachlässigt wurde. Bis
2004: Nachdem Panerai mit der Radiomir Blackseal (PAM 183) und der 8 Days
(PAM 190) erfolgreich der historischen Radiomir-Kollektion wieder das gebührende
Gewicht verschafft hatte, folgte ein Jahr später als Einstiegsmodell die
hier vorgestellte Radiomir Base. Im Vergleich zum Urmodell verfügt die
heutige Radiomir über ein Zifferblatt in Sandwich-Bauweise und im
Vergleich zur Blackseal über keine kleine Sekunde, was ihr schlussendlich
die COSC-Prüfung verunmöglichte. Dafür bietet sie mit ihrer eleganteren
Form (obschon es grundsätzlich schwierig ist, bei 45mm Durchmesser von
„Eleganz“ zu schreiben) und dem durchgängig polierten Gehäuse eine
Alternative für Cocktail-Party-Tauchgänge.
Einblick Wie
bei fast allen Panerai-Modellen lässt sich die Ablesbarkeit zu jeder
Tages- und Nachtzeit kaum noch verbessern, und dank dem zweischichtigen
Zifferblatt gewinnt die Uhr zusätzlich an Tiefe. Dennoch wäre es für
manchen Käufer wahrscheinlich interessanter, an der Uhr bei Tag
kontrastreichere und historisch passendere, vergoldete Zeiger zu sehen.
Nichtsdestotrotz ist die Radiomir ein Hingucker in jeder Hinsicht, erst
recht von hinten: Auch wenn es sich „nur“ um ein überarbeitetes
Unitas-Handaufzugskaliber handelt, so bereitet der Anblick der attraktiv
finissierten (und neuerdings ohne Panerai-Gravur versehenen) Brücken
immer wieder Freude.
Der
Tragekomfort ist erstaunlich gut, obschon die tiefliegende, scharfkantige
Krone zu eher unangenehmen Handrücken-Kontakten neigt und die 45mm
Durchmesser in Kombination mit den demontierbaren Band-Bügeln gefährlich
nahe an die Grenze durchschnittlicher Handgelenke kommt. Ziemlich unnötig
ist die verschraubte Krone: Wer täglich seine Uhr aufziehen muss, wird
sich am ständigen Auf- und Zuschrauben nicht lange erfreuen; das
Kronengewinde vermutlich ebenfalls nicht.
Der
einzige wirkliche Kritikpunkt an der Radiomir Base dürfte ihr Preis sein:
Hier wird es sehr schwierig, ein rationales Argument zu finden, welches
den Preis von CHF 4'700.- (2005) rechtfertigt - für eine Stahluhr ohne
Sekundenzeiger und Datum, bewährtem aber unspektakulären Taschenuhrwerk
zwischen zwei Lederbändern montiert. Ein Ersatzband oder einen
Schraubenzieher sucht man selbstverständlich ebenfalls vergebens.
Und das
ist wohl auch das Geheimnis der Radiomir Base – sie ist dermassen
entwaffnend reduziert, dass sie in ihrer Schlicht- und Gesamtheit eben ganz einfach ein
Statussymbol für kaufkräftige Design- und Markenfetischisten ist. Diese
Rolle beherrscht sie dafür perfekt.
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| Die
Rückseite bietet nicht nur Einblicke ins Werk, hier werden auch
die vier Schrauben sichtbar, mit welchen die Band-Bügel gelöst
werden können (eine davon hier ganz links im Bild) |
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| Die Radiomir Base verfügt über ein Panerai-typisches Sandwich-Zifferblatt;
Leuchtmittel ist mittlerweile aber Luminova |
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| Das
historische Panerai-Logo schmückt die verschraubte Krone |
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| Radiomir
mit 8-Tage-Werk von JLC |
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Radiomir Blackseal mit der zusätzlichen kleinen Sekunde bei 9 Uhr |
DATEN
Modell: PAM 210, Officine Panerai Radiomir
Masse: 45 mm Durchmesser, ca. 14mm Höhe
Gewicht: ca. 100 g
Auflage: 1'500 Exemplare pro Jahr,
Band: handgenähtes schwarzes Lederband mit Dornschliesse (in der
grossen, historisch-orientierten Schliessen-Version)
Zifferblatt: In Sandwich-Bauweise gefertigtes schwarzes Zifferblatt mit SL-Leucht-Indexen
Krone: Verschraubt, historisches OP-Logo als Kronengravur
Glas: bombiertes Saphirglas auf Zifferblatt-Seite; planes Saphirglas auf Gehäuse-Rückseite
Wasserdichtheit: 100 Meter
Werk: Cal. OP X (Basis Unitas 6497) mit Handaufzug, 21’600 A/h, 17 Lagersteine und rund 56 Stunden Gangreserve, Glycidur-Unruh und Schwanenhals-Feinregulierung; Incabloc Stosssicherung; Genfer Streifenschliff (Brücken) und gebläute Schrauben
Funktion: Stunden, Minuten
Lieferumfang: Zertifikat, Bedienungsanleitung, Holzbox und Überkarton
Preis: CHF 4'700.- (2005) |
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