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Das Comeback
Omega Seamaster Professional 600m/2000ft (Ref.
166.0077) vs. Omega Seamaster Ploprof 1200m/4000ft (Ref.
224.30.55.21.01.001)
Seit dem
ersten Artikel über die
Ploprof (2003) auf dieser Website sind mittlerweile über sieben Jahre
vergangen. - Sieben Jahre, die nicht nur an dieser Website, sondern
natürlich auch an dieser aussergewöhnlichen Uhr nicht spurlos vorbei
gegangen sind: Eine laufend wachsende Zahl von Anhängern,
immer mehr Nachbauten und Fälschungen, und insbesondere die
aufmerksamkeitsstarke Omegamania-Auktion im Jahr 2007 haben dieser
Taucheruhren-Legende zu einem unglaublichen Comeback
verholfen - bis hin zur seit langer Zeit absehbaren Neuauflage durch Omega im
Jahr 2009. - Höchste Zeit also, der nunmehr offiziell auf den Namen "Ploprof"
getauften Uhr heute erneut einen weiteren würdigen Platz hier einzuräumen:
Nur eine Frage der Zeit
Dass die Ploprof eines Tages wieder im
Sortiment von Omega auftauchen würde, war in Biel schon seit
einigen Jahren ein Thema. Eher unklar war indes, ob es sich dabei um eine
konservative Edition innerhalb der Museums-Linie handeln würde, oder um
eine progressiv gestaltete reguläre Erweiterung der Seamaster-Linie.
2008 deuteten erste inoffizielle Bilder
darauf hin, dass die Uhr grundsätzlich neu interpretiert worden war, und
mit dem offiziellen Launch anlässlich der Baselworld 2009 wurde
offiziell bestätigt, dass die Ploprof als fester Bestandteil der
Seamaster-Familie zurückgekehrt war.
Und der Zeitpunkt war aus mehreren Gründen
ideal gewählt: Während zwischenzeitlich nämlich praktisch sämtliche
ernst zu nehmenden Mitbewerber von
Omega auf die wachsende Popularität von Taucheruhren mit Extrem-Modellen
reagiert hatten, herrschte bei Omega in diesem Segment seit Jahren Ebbe.
– Sowohl die 300er Seamaster- als auch
600er Planet Ocean-Reihe waren trotz James Bond und
"Professional" Zifferblatt-Zusatz im
Vergleich zu den bis zu
3900 Meter
wasserdichten Konkurrenten plötzlich eher als elegante Strand- denn
beeindruckende Tiefsee-Begleiter zu verstehen.
Gleichzeitig hatten die alten
Seamaster-Modelle einen beispiellosen Schub erhalten: Als Omega mit der
publikumswirksam inszenierten Omegamania-Auktion im Jahr 2007
demonstrieren wollte, dass sich die Marke auch in diesem Bereich wieder
auf Augenhöhe mit der Genfer Konkurrenz befand, verdoppelten sich
praktisch über Nacht die aufgerufenen Preise für eine
Vintage Ploprof (Ref.
166.0077) - was
wiederum dazu beitrug, dass die nunmehr noch glücklicheren Besitzer noch
mehr Hype um die Uhr machten.
Im selben Jahr sprang auch die kleine
Marke Ocean7 auf den fahrenden Zug auf und präsentierte eine zumindest
optisch fast identische Uhr zum vergleichsweise tiefen Preis, für alle,
denen die richtige Uhr zu teuer geworden war. Dazu gesellten sich eindeutige Fälschungen
(auch schon bei der neuen der Fall)
und Marriagen, eine steigende Anzahl von Reviews, eine dedizierte
Website und ein im Eigenverlag eines Fans lanciertes Buch zur Ploprof, die
allesamt ihren
Teil dazu beitrugen, dass der Mythos um die Uhr noch weiter wuchs.
In
diesem Sinne präsentierte sich die Ploprof rechtzeitig zum 40. Jahrestag
gänzlich ohne Anzeichen einer Midlife-Crisis, dafür als unübersehbarer
Image- und Technologieträger einer zunehmend selbstbewussten Bieler
Uhrenmarke.
Mythos
auf Knopfdruck?
Wie bei jeder Neuauflage eines Produktes
wird wohl auch bei der abschliessenden Beurteilung der Ploprof die
Antwort auf eine einzelne Frage im Zentrum stehen: Wie nahe ist nahe
genug am Original, und wie weit ist zu weit weg? - Dass hierbei die
Meinungen der konservativen Sammler und der Lifestyle-bewussten
Käuferschaft kaum zu vereinen sind, ist nicht erst seit VWs Experiment
mit dem "New Beetle" bekannt. Hinzu kommt, dass sich ein Kult wie
beim Original erfahrungsgemäss zwar herbei wünschen, aber nicht unbedingt planen lässt
- und so ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer beurteilbar, ob die
Ploprof erneut zum Aussenseiter avancieren wird oder zum gehypten
Insidertipp einer trend- oder zumindest selbstbewussten Gruppe von Individualisten. Klar dürfte
hingegen sein, dass die ursprüngliche Zielgruppe der Berufstaucher nicht
nur angesichts des aufgerufenen Preises eher eine untergeordnete Rolle
spielen wird.
Und
vielleicht lässt sich die Eingangsfrage nur dann halbwegs
zufriedenstellend beantworten, wenn man
sich schrittweise an die Essenz der Uhr, also
alt gegen neu, heranwagt.
So viel sei aber schon jetzt verraten: Auch bei der Neuen lassen sich
nach wie vor keine Mini-Torpedos oder Unterwasser-Sprengsätze u.dgl. mit
dem roten Knopf zünden... ;-)
Der Name: Mit
"Plongeur Professionel", oder eben kurz "Ploprof" erhielt die
ursprünglich "Seamaster 600" getaufte Uhr einen inoffiziellen
Spitznamen. Bei der heute offiziell (und erstmals auch schriftlich auf
dem Gehäuseboden verewigt) als "Omega Seamaster Ploprof" bezeichneten
nächsten Generation wird dieser Spitzname nun auf eine höhere Ebene
portiert. Damit geht ein bisschen von damaligen Charme verloren, aber
merken wird das ausserhalb dieser Website wohl sowieso niemand.
Die Drehring-Sperre: Während der
charakteristische Arretier-Knopf beim Urmodell noch aus rotem Plastik
war, verfügt die neue Ploprof über einen massiven Stahlstift mit oranger
Manschette aus eloxiertem
Aluminium. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch ein massiver
qualitativer Fortschritt im Vergleich zu früher.
Der Drehring: Wie früher ist er heute noch
beidseitig drehbar (insgesamt etwas strenger), wenn der
orange Knopf gleichzeitig gedrückt wird. - Was in der Praxis meistens
bedeutet, dass die Uhr dafür abgezogen werden muss, was idealerweise
eher an Land geschehen sollte. Und bei aller Liebe für die Uhr kann man
diesbezüglich auch mal ganz ehrlich sein: Vor vierzig
Jahren mag das noch als bewundernswertes Streben nach maximaler
Sicherheit gegolten haben, heute wirkt die zusätzliche, nach wie vor
eher exotische Sperre doch etwas übertrieben. Aber nachdem dieses zentrale
Merkmal a) weiterhin der Sicherheit dient und b) ganz einfach elementar zu einer Ploprof
gehört, gibt’s daran schlichtweg nichts zu kritisieren (ausser,
dass der Spieltrieb des Trägers massiv eingeschränkt wird).
Besonders erfreulich ist dafür die
(immer noch) nachleuchtende Lünetteneinlage, die neu unter einem Ring aus
entspiegeltem Saphirglas
liegt – im Vergleich zur äusserst anfälligen (und kurzlebigen)
Bakelit-Lösung von früher eine optimale Anhebung auf den heutigen Stand,
ohne dabei den typischen Look zu kompromittieren.
Die Gehäusekonstruktion: Während die
originale Ploprof auf ein patentiertes Einschalen-Gehäuse (Monocoque)
zurück greifen konnte, kommt die
aktuelle Uhr mit einem separaten Bodendeckel. Dieser wird, ähnlich wie
bei der Deepsea
von Rolex, von einem zusätzlichen Ring fixiert, was wiederum dazu
führt, dass die äusserst aufwändige Gehäuseboden-Gravur des
Seepferdchens korrekt
positioniert ist – was bei der aus praktischen Gründen gerillten
früheren Version gar nicht erst nötig war. Oder mit anderen Worten: der
heutige Käufer erhält mehr Komplexität (und rund 5mm mehr Höhe) mit gleichbleibendem Nutzen, der
Uhrmacher dafür einen etwas einfacheren Zugang zum Werk.
Die verdoppelte Wasserdichtheit von neu 1200
Meter dürfte indes nicht auf die veränderte Gehäusekonstruktion, sondern auf die
thematisch klare Abgrenzung zur 600 Meter wasserdichten
Omega Seamaster Planet
Ocean zurückzuführen sein. – Schon um 1970 wurde die Ploprof ja
erfolgreich bis 1370 Meter Tiefe getestet.
Mit der neuen offiziellen
Tiefenangabe setzt sich die Ploprof also klar
an die Spitze der aktuellen Omega Taucheruhren-Kollektion und ist zum
Zeitpunkt der Lancierung gleichzeitig
die Omega mit der höchsten je offiziell ausgewiesenen Tauchtiefe.
Als Glas kommt mittlerweile ein 4,9mm
dickes, entspiegeltes Saphirglas zum Einsatz, das das frühere, chemisch
gehärtete
Mineralglas ersetzt. In Kombination mit der Saphirglaseinlage des
Drehrings entsteht so ein äusserst harmonisches Oberflächen-Bild.
Die Krone: Was auf den ersten Blick
sehr ähnlich zur ursprünglichen Konstruktion wirkt, entpuppt sich auf
den zweiten Blick als vollständige Abkehr von der Überwurf-Mutter: Die runde Schraubkrone ist
nun in der Tat auch die Aufzugskrone (früher war's der viereckige
äussere Teil); der massive äussere Teil dient nun einzig und alleine dem
sicheren Schutz und wird automatisch mit ein- oder ausgeschraubt.
Kurz gesagt: Was früher schon bombensicher
war (aber zugegebenermassen eine etwas lange Kronenwelle erforderte) ist heute als
funktionale Evolution noch stabiler und einfacher bedienbar geworden.
Das Heliumventil: Während aus
heutiger Sicht ein Heliumventil fast schon zum guten Ton bei einer
Taucheruhr gehört (und es
sich hier erstmals in der Geschichte von Omega um ein vollständig
integriertes automatisches Ventil handelt), findet sich darin auch die
grösste und nebst dem Gehäuseboden auch gravierendste konzeptionelle Unterscheidung zum
Original: War die ursprüngliche Ploprof doch als Antwort auf die
Sea-Dweller und
somit auch als Gegenbeweis gedacht, dass Uhren fürs Sättigungstauchen besser
ohne dieses Feature gebaut werden sollten. Zu diesem Zweck setzte man
sogar eigens ein Massenspektrometer
ein - das einzige in der Uhrenindustrie zur damaligen Zeit.
Aus
Sicht des Puristen ist die Verwendung eines Heliumventils im Prinzip
also ein schmerzliches,
historisch falsches Einknicken in die
Gimmick-Ecke; aus Sicht
des Trägers ist es lediglich ein weiteres Plus im Pflichtenheft, das im Alltag weder Vor-
noch Nachteile bringt. Raffiniert ist dafür die Beschriftung mit dem
Elementsymbol "He" unter der transparenten Lackschicht.
Das Zifferblatt:
Optisch und qualitativ ein Traum unter dem fast nicht spürbaren Glas,
verfügt das neu hochglänzend lackierte, tief schwarze Zifferblatt erstmals über
aufgesetzte Stundenindexe und neu auch über ein dezentes weisses Datum
auf schwarzer Scheibe zwischen 3 und 4
Uhr, das massgeblich zur ausgewogeneren Gestaltung beiträgt. Hinzu kommt ein aufgesetztes Logo, das seinen Teil zur Wertigkeit
des Gesamtauftritts beiträgt.
Die Zeiger:
Nachdem der charakteristische orange Minutenzeiger erstmals mit der
Ploprof eingeführt wurde und seitdem massiv kopiert wurde, lag es auf
der Hand, dass das Zeigerspiel hier möglichst unverändert zum Einsatz
kommt. Das Orange nimmt aber neu das mattierte metallene Finish des Druckknopfs
auf, was nicht nur die Wertigkeit der Uhr unterstützt, sondern eine
erfreuliche Abgrenzung zu den unzähligen Nachahmern darstellt.
Das Band:
Erstmals lässt sich das (in Anlehnung an die meist bei Haifütterungen
verwendeten Kettenhemden) als "Sharkproof" bezeichnete Milanaise-Band
schrittweise kürzen - links und rechts der Schliesse lassen sich verstiftete
Glieder des geflochtenen Stahlbandes einzeln entfernen. Hier hätte man sich
angesichts des Gesamtpreises der Uhr und zu Gunsten einer höheren
Autonomie vielleicht Schrauben gewünscht, ansonsten hat man punkto
Haptik und Optik aber ein willkommenes Déjà-vu. In Kombination mit der
perfekten Anpassbarkeit an den eigenen Handgelenkumfang definitiv ein
weiterer Schritt nach
vorne, das vielfältige Bandzubehör von damals entfällt somit.
Die Aussenseite des
Stahlbandes ist mattiert, die Innenseite
poliert; beim Original waren beide Seiten poliert.
Alternativ stehen dem
Käufer ein schwarzes (an der
Ref. 224.32.55.21.01.001),
ein oranges (an der Ref. 224.32.55.21.01.002) oder seit 2010 auch ein weisses
Kautschukband offiziell zur Verfügung, als Schliesse wird ebenfalls die Konstruktion des
Stahlbandes übernommen. - Angesichts der Differenz beim Anschaffungspreis
lohnt es sich auch hier, bei Gefallen erst die Konstellation mit
Stahlband zu wählen, und später im Bedarfsfall das Kautschukband
nachzukaufen.
Übrigens: Während das
Kautschukband der Uhr ein grosses Stück ihrer optischen Dominanz nimmt,
gelingt es ihm dafür auf der anderen Seite nicht, der Kopflastigkeit der
Uhr so entgegen zu wirken, wie es das Stahlband schafft.
Die Schliesse:
Der eher dürftige Schnappverschluss des Originals gehört zum Glück
ebenfalls der
Vergangenheit an - denn neu präsentiert Omega mit der Ploprof ein ebenso
mächtiges wie auf den ersten Blick durchdachtes Stück Ingenieurskunst:
Mit den zwei seitlichen Drückern öffnet sich die gigantische
Faltschliesse, darin befindet sich eine auf Druck ("Push") stufenlos
ausfahrbare Verlängerung (bis max. 22mm Länge), die eine allfällige
Feineinstellungen des Bandes ermöglicht (die Glieder des Bandes sind
knapp 5mm breit und ermöglichen so keine wirkliche Feinanpassung) und
auch bei geschlossenen Zustand in rastenden Millimeter-Schritten wieder
bis zum Anschlag eingeschoben werden kann.
Ebenfalls bietet die
massive Schliesse eine traditionell ausklappbare Tauchverlängerung
(26mm), die
in Kombination mit der Feineinstellung praktisch an jeden Arm und
Tauchanzug passen sollte.
Auf der einen Seite eine
ebenso durchdachte wie beeindruckende Konstruktion mit
überdurchschnittlich hoher Qualität; auf der anderen Seite erfordert das
korrekte Verschliessen relativ viel Druck (besonders bei voll
eingeschobener Feinverstellung schnappt sie teilweise nur einseitig
richtig ein) und kommt zudem ohne zusätzlichem Sicherungsbügel aus. -
Angesichts des satten Sitzes vermutlich kein Problem, aber dennoch ein
potentieller Unsicherheitsfaktor.
Last but not least: Die
eingeschobene Verlängerung scheint etwas nahe am oberen Element
positioniert - ein leichtes Kratzen und ebenso feine Kratzspuren von
Beginn weg sind
damit programmiert. - Ein Umstand, der übrigens auf die gesamte
Schliesse zutrifft, wird deren beachtliche Grösse doch unweigerlich zu sichtbaren
Tragespuren nach den zu erwartenden Nahkampfsituationen des Alltags führen...
Die inneren Werte:
Nach über 10 Jahren im Serieneinsatz dürfte Skepsis gegenüber Omegas
koaxialer Hemmung einerseits vollends überholt sein, andrerseits muss
man sich von der Konstruktion aber auch keine Wunder im täglichen
Einsatz erhoffen, die über den zuverlässigen Betrieb hinausgehen.
Insofern ist ein Blick auf die nackten Daten des COSC-geprüften
Schrittmachers vermutlich interessanter als Grundsatzdiskussion über die
Hemmungs-Konstruktion: Das derzeit in der Ploprof verwendete Kaliber
8500 ist nämlich nicht nur optisch, sondern auch von den Daten her ein
äusserst interessantes Beispiel von Omegas derzeitiger Werk-Kompetenz:
Da wären einmal überraschende 25200 A/h (3 Hertz), 39 Lagersteine, zwei
Federhäuser für angenehme 60 Stunden Gangreserve oder eine neue Nivachoc-Stosssicherung, die ihren Teil zum robusten Charakter des Werks
beiträgt. Von den Gangwerten her beweist zumindest das vorliegende
Exemplar einen tadellosen Charakter und somit die verdiente Vergabe des
Chronometer-Zertifikates.
Ingesamt besteht das Kaliber 8500 aus 202
Teilen, verteilt auf 29mm Durchmesser und 5,5mm Höhe. Optisch bieten ein harmonisches
Platinen-Layout,
spiralförmige aufgetragene Genferstreifen und eine geschwärzte Unruh genügend Gründe, sich zumindest gelegentlich einen Sichtboden
zu wünschen.
Oder anders gesagt: Der
direkte Vergleich mit dem früheren, rotvergoldeten Kaliber 1002 wäre nun natürlich mehr
als unfair - zwischen den beiden Werken liegen nicht nur Welten und
Zertifikate, sondern auch Jahrzehnte an Know-how. - Immerhin, beides
sind In-House-Werke, wobei das aktuelle 8500 sicherlich die
interessantere Wahl für all jene darstellt, die fortschrittliche innere
Werte schätzen.
Und selbstverständlich
war das gerade eine verbale Steilvorlage für all jene, die nun sagen, dass bei
dem gewöhnungsbedürftigen Äusseren ja auch wenigstens etwas attraktiv
sein müsse... ;-)
Nichtsdestotrotz gibt es
auch einen kleinen Wermutstropfen zu vermelden: Das 8500 verfügt
ungewöhnlicherweise über keine Datumschnellverstellung, dafür aber über eine
stundenweise Schaltung des Stundenzeigers bei laufender Sekunde und
Minute - praktisch für Zeitzonenreisende, definitiv unpraktisch beim
Einstellen des Datums für all jene, die die Uhr nicht laufend am Arm
haben.
Alternativ kann die Zeit natürlich wie gewohnt mit gestoppter
Sekunde gestellt werden.
Das Drumherum:
Grosse Uhren kommen heutzutage meist in grossen Kisten, und das ist auch
bei der neuen Ploprof so. Eine sportliche, grau-schwarze Neoprenbox mit
grossem Reissverschluss bietet Uhr und Zubehör genügend Platz und dürfte
vermutlich auch genügend Auftrieb für Schiffbrüchige bieten. Kein
Vergleich also zur Plastik-Box der ursprünglichen Ploprof, auch wenn
diese etwas so selten ist wie ein Riesenmaulhai.
Die Varianten: In der
noch relativ kurzen Marktpräsenz der neuen Ploprof hat Omega schon nach
einem Jahr wieder Tendenzen der klassischen Variantensucht gezeigt -
erstmals wird nebst der klassischen schwarzen Zifferblattvariante auch
eine weisse Version angeboten (ab 2010, Ref.
224.30.55.21.04.001 mit Stahlband). Nimmt man das rotgoldene
Einzelstück der Only Watch 2009 Benefiz-Auktion hinzu, zeichnet sich
eine potentiell ähnlich inflationäre Handhabung ab, wie dies bei anderen Omega-Modellen
schon bekannt ist. Für konservative Puristen ein Gräuel, für den
unbelasteten Endkonsumenten eher eine dankbare Vielfalt.
Die Verarbeitung: Während die Ploprof
früher als zweckmässig und insgesamt überdurchschnittlich gut
verarbeitet gelten konnte, beweist die aktuelle Version bedeutend mehr
Raffinesse: Das Spiel aus polierten Kanten und Oberflächen in
Kombination mit mattierten Flächen und Elementen ist schlichtweg
grossartig, die Detailliebe und -Aufmerksamkeit, die fantastische Passgenauigkeit von
Boden, Glasflächen, Kronenschutz und Drehring lassen die Uhr zu einem
potentiellen Beginn von - und man möge den Vergleich verzeihen - einer
leichten Objektophilie werden.
Eine dermassen (fast einmalig) kompakte
Verarbeitung erinnert eher an einen Tresor, denn an eine Uhr, und ab und
zu vermisst man beim Tragen schon fast das übliche Spiel von
Einzelkomponenten. Andrerseits: Die Ploprof, ob neu oder eine gebrauchte
alte, ist preislich gesehen ja auch kein Kinderspiel...
Der Komfort: Knapp 280 Gramm
unnachgiebiger Stahl auf 55mm Länge verteilt, dazu eine
überdimensionierte Schliesse - drei Zutaten, die die auch die aktuelle
Ploprof nicht automatisch zur bequemsten Uhr machen. Während die
Dimensionen (bis auf die angewachsene Höhe) praktisch unverändert geblieben sind,
nehmen das stattliche Gewicht und der Gehäuseboden lieber einen Neoprenanzug als Unterlage,
denn ein unterdurchschnittlich dimensioniertes Handgelenk. Oder mit
anderen Worten: Unbedingt erst anprobieren - eine Ploprof am falschen
Handgelenk kann sich vermutlich nicht jeder leisten.
Die Preisfrage: Mit den im Jahr 2009
aufgerufenen CHF
8700.- (€ 6140.-) für die Version mit Stahlband ist die aktuelle Ploprof
wie auch schon ihre Vorgängerin (damals CHF 795.-) ziemlich teuer. Im Vergleich zur
Konkurrenz und unter Berücksichtung des Gelieferten definitiv nicht zu
teuer, aber doch teuer genug, um den vorgesehenen Einsatz als
Tauchinstrument für den Amateur lächerlich werden zu lassen.
Dass der Käufer dabei eine ebenso auffällige
wie einzigartige Uhr wählt, die einen wichtigen Meilenstein in der
Vergangenheit und Zukunft von Omega darstellt, macht den Preis auch
nicht kleiner, bietet aber einen Vorgeschmack auf die höher gestellte
Marktpositionierung, auf die
sich Omega mit Erfolg hin bewegt.
Der Gesamtauftritt: Wem die damalige Ploprof
nicht gefallen hat (was auf die Mehrheit zutreffen dürfte), der wird
auch bei der aktuellen die Nase rümpfen und nie verstehen, wie man dafür
so viel Kohle hinlegen kann. Somit darf das Experiment des Redesigns, auch wenn dabei
zum Teil massive konstruktive Abweichungen vorgenommen wurden, als
durchwegs geglückt bezeichnet werden. - Die brachiale Natur der Uhr
wurde in der Tat aufgenommen, qualitativ aufgewertet und überraschend behutsam in die Gegenwart gebracht.
Und auch wenn die neue, selbstbewusste Ploprof zum Teil etwas zu stark vom
damaligen Tool-Charakter
abweicht, versöhnt man sich doch eher schnell mit den uhrmacherischen
Feinheiten, die neu dazu gekommen sind. Oder anders gesagt: Nahe genug dran am Original, und
weit genug von der Vergangenheit entfernt.
Die Emotionen: Das Schöne an der
Ploprof ist, dass sie ganz einfach nicht schön ist. Sie polarisiert. Sie
fasziniert. Sie ärgert. Sie wird dank ihrer Einmaligkeit kaum einen
Uhrenfan kalt lassen. Und genau deshalb ist sie im zum Teil herrschenden
Einheitsbrei eine äusserst willkommene Bereicherung.
Fazit
Die ursprüngliche Ploprof trägt massgeblich eine Mitschuld daran,
dass vor über 10 Jahren der Grundstein zu dieser Website gelegt wurde.
Unter diesem Aspekt war es fast unmöglich, der neuen Ploprof hier ohne
massive Vorurteile entgegen zu treten.
Noch schlimmer: Im Prinzip haben die letzten
Jahrzehnte zwischen den beiden Modellen mehrfach bewiesen, dass die Uhr
zwar gut gemeint, aber im Prinzip schon damals völlig „over engineered“
war, und jetzt wurde zu allem Übel auch noch all das an ihr verändert,
was die Ploprof ursprünglich ausgemacht hat – das nunmehr mehrteilige
Gehäuse und vor allem das Heliumventil bedeuten fast schon ein Sakrileg.
Und überhaupt stellt die PR- und Werbe-technisch massiv gepushte
Neuauflage an sich schon ein potentielles Risiko dar, die legendäre
(damals aber kommerziell wenig erfolgreiche) Ploprof zu beschädigen - der
vermeintliche Insider-Tipp einer verschworenen kleinen Gemeinschaft von
Afficionados wurde nun plötzlich einer Lifestyle-hungrigen Masse preis
gegeben.
Andrerseits gilt auch heute noch genau das
selbe Stratement wie in früheren Anzeigen: "It may not look pretty on the surface, but deep
down it’s beautiful.” Und auch heute noch handelt es sich um eine
eher kostspielige, im Prinzip völlig “over engineered” Taucheruhr mit
viel zu viel Testosteron, die je nach Geschmack des Betrachters ein
beeindruckendes Best- oder halt Worst of Omega darstellt.
Nur wenige Menschen werden ihrem Charme erliegen. Und wen es erwischt, der hat
mit sich über einen vermutlich längeren Zeitraum gerungen und sich eingehend mit der Uhr und ihrer Historie
beschäftigt. In diesem Sinne ist die Mission
überraschenderweise doch als äusserst gelungenes Revival zu betrachten.
Und die neue Ploprof ist am Ende des Tages vielleicht doch nur mit dem einen
Wort korrekt zu beschreiben, das man ebenso ungern wie selten bemühen
mag:
Kult.
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