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Not-OP

„Innovators“ nennt man pauschal die Gruppe Menschen, die immer zuerst das haben, was wir rückständigen Menschen eigentlich schon immer wollten (was uns aber erst durch eben diese Menschen gezeigt wird). Diese Innovators räumten 1993 die erste Neuauflage der italienischen Armee-Taucheruhr „Panerai“ ab. Der Erfolg war so gross, dass Arnold Schwarzenegger (Commando) und Sylvester Stallone (Daylight) beide eine geschenkt kriegten (passt ja auch irgendwie zum Hummer-Geländefahrzeug) und so auch zu Innovators wurden. Oder aber dadurch erst ein paar weitere Innovators zum Abräumen verleiteten (wie z.B. Stallone, der gleich eine ganze Serie orderte). Zu diesen Innovators zählten übrigens unbestritten auch ein paar wirklich ernsthafte Sammler.  Ein paar Jahre später kamen dann die sogenannten „Early Adaptors“ und begrüssten die Möglichkeit, mit einem völlig (resp. immer noch) revolutionären Oversize-Design ihre Position des urbanen Leitwolfs zu festigen. Noch immer waren einige Sammler sehr angetan. Eine Panerai zu tragen, war schon fast ein Abenteuer.

Die Geschäftspolitik des Hauses sah nun vor, jedes Modell nur streng limitiert auf den Markt zu bringen (keep them hot), was auch wirklich gut funktionierte.

Jetzt kamen die Werber – ihnen muss man eine spezielle Gruppe zugestehen, da sie sich eigentlich zu den Early Adaptors zählen möchten, meist aber zur grossen Masse gehören. Mit den Werbern kamen die Lifestyle-Magazine (wie kriegt mann Brusthaare weg). Und plötzlich stellte Panerai nur noch limitierte Modelle her, um sie baugleich ein Jahr später als weniger limitierte Modelle zu lancieren. Die Early Adaptors waren nun schon lange weg und die Sammler ziemlich verarscht. Ausserdem wurde nun die kleinere, Bulimie-konformere Automatik-Version beliebt, die mit Panerai und ihrer „Heritage“ nun wirklich nichts mehr zu tun haben.

Das ist dann der Moment, da man von der letzten Gruppe, der Masse, spricht (too late Adaptors?); Panerais waren nun nicht mehr zu kriegen (schöne Schaufenster-Dekoration, was stellt sie dar?) und die Marketing-Strategen beriefen sich auf Ihren Schlachtplan 2B: Die Frauen. Was bei der Cartier Pasha funktionierte, würde auch hier funktionieren. - Ein sehr erhabener Moment, mein Modell in einer Frauenzeitschrift zu entdecken ("was frau diesen Sommer braucht"). Und Zeno/DKNY/Armani brachten nette Kopien auf den Markt.

Ein Angestellter der Uhrenindustrie brachte es letzthin auf den Punkt: „Ah ja, die sind gerade in.“ – Wahrlich eines jener Adjektive, die ich weniger schätze.

Gefällt mir Panerai heute noch? – Ja, noch immer eines der besten Designs, Verarbeitung ist umwerfend und die Preise noch immer moderat (und die wundervollste persönliche Erinnerung ist an dieses Stück geknüpft). Würde ich mir jetzt noch eine kaufen? – Nein, mechanische Uhren sind alles. Aber keine kurzlebigen Trends. Und wenn eine Firma mit grossem Erfolg eine traditionelle Marke neu lanciert, dabei gar noch den Oversize-Boom mitbegründet, dann habe ich marketingtechnisch gesehen viel gelernt. Auch darüber, dass der forcierte „Trend“ nur kurzfristig Erfolg haben kann. Und Kurzfristigkeit (sprich Mode) ist in der gemächlichen Uhrenindustrie tödlich. – Eine Royal Oak, sogar die Daytona brauchten Jahre, um ihrer Zeit nicht mehr voraus zu sein.

Die Panerai ist kein mutiges Statement mehr, sie ist Samstag-Abend-tauglich geworden; spätestens seit Thomas Gottschalk seine 44mm Titan in die Kamera hielt, um Eros Ramazotti (44mm Luminor in Stahl) zu begrüssen.

   

PAGE INFO
Year of first Publication: 2001
 


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