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Die Warnsignale
Uhren haben ein hohes Suchtpotential. Um zu erfahren, wie gefährdet Sie wirklich sind, finden Sie nachstehend eine Liste von ernstzunehmenden Anzeichen; nützen wird’s freilich wenig, die Rückfallquote ist einfach zu gross:
Stufe 1: Einstiegsdrogen Ein Bekannter zeigt Ihnen seine Uhren-Sammlung. Berufliche Herausforderungen/Entbehrungen verlangen nach einer kleiner Belohnung. Sie beginnen damit, Uhrenmagazine zu lesen. Im Urlaub kaufen Sie eine gute Rolex-Imitation (wer ist schon so doof, so viel Geld auszugeben?). Sie entdecken Ihre Vorliebe für Flohmärkte.
Stufe 2: Wahrnehmungsschwierigkeiten Sie möchten mehr Uhren haben, als Ihr Bekannter. Sie bewegen sich auf Websites wie dieser. Oder noch schlimmer: Sie betreiben selbst eine Website wie diese (Stufe 3). Ihre Liste von „Uhren, die Sie sich noch kaufen möchten“ wird schneller erweitert, als Sie sie abarbeiten können. Übrigens: Bereits das Führen einer solchen Liste ist sehr bedenklich. Sie stellen fest, dass Ihr Grundsatz „Nie eine Uhr über Franken 3‘000 zu kaufen“ langsam bröckelt. Sie beklagen sich öfters bei Ihrer Frau, Sie hätten zu diesem Anzug nichts Richtiges anzuziehen. Und meinen damit eine Uhr. Das erste, was Sie an Ihrem Nebenbuhler beobachten, ist die Ausbuchtung unter dem Ärmel.
Selbes Phänomen tritt auch bei Akteuren in Kinofilmen etc auf. Sie rechtfertigen Ihren jüngsten Kauf tatsächlich mit der „einzigartigen Möglichkeit, endlich Zwischenzeiten stoppen zu können“. Sie würden nie eine Rolex-Imitation kaufen (das sieht man ja schon von Meilen!). Sie haben ein Uhrenmagazin abonniert. Sie gehen mit Ihrer Frau endlich Schaufenster-Bummeln, aber nur, weil Juweliere ja auch Schaufenster haben. Sie haben sich soeben Ihre erste Sammel-Schatulle gekauft. Können sie aber noch nicht füllen.
Stufe 3: Lasset alle Hoffnung fahren Sie wissen nicht mehr, wie der Bekannte mit der Sammlung heisst. Sie überlegen ernsthaft, Ihre Winter-, Frühlings- und Sommerferien zu Gunsten eines
Kaliber 5000 ins Wasser fallen zu lassen. Sie versuchen, Ihre Frau für mechanische Uhren zu begeistern, nur damit Sie Ihre Sammlung um Damenuhren erweitern können. Ihr erster Uhrenbeweger macht Ihnen wirklich Spass. Sie sprechen nicht mehr mit Menschen, die eine Swatch tragen. Sie lernen Tauchen, Fliegen, Polo-Spielen, Bergsteigen etc., nur weil Ihre Uhr das schon kann. Ihr Sohn ist längst erwachsen und Sie haben ihm Grossvaters Uhr noch immer nicht gegeben. Sie entdecken das Sammeln von Uhrenarmbändern als perfektes „Hobby dazwischen“. Sie haben genug eigenes Werkzeug, um eine Revision selbst durchführen zu können. Ihre Frau kriegt Heulkrämpfe, wenn Ihr Geburtstag naht und sie genau weiss, was Sie sich wünschen. Sie interessieren sich für plastische Chirurgie; insbesondere der Verpflanzung von zusätzlichen Armgelenken. Sie verbringen Silvester vor Ihrem Ewigen Kalender. Sie überlegen sich ernsthaft, eine unbekannte Uhrenmarke zu kaufen und aufzubauen. Oder Sie suchen sich einen Job in der Uhrenindustrie. Nur wegen der Einkaufskonditionen. Der schönste Tag in Ihrem Leben ist der, an dem Sie merken, dass es noch Taschenuhren, Wanduhren, Tischuhren etc. zu sammeln gibt. Sie verfügen mittlerweile über ein semi-professionelles Fotostudio für Makro-Aufnahmen; Ihre Kinder haben Sie aber schon monatelang nicht mehr fotografiert. Sie geben Ihren Uhren Namen - "Das ist Jessica, meine Minutenrepetition..."
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