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Frauen kommen zu spät. Und Männer ticken nicht richtig.
Die Kunst, mehr als nur die Zeit von ihm zu erfahren.

Wenn Männer Schmuck kaufen, dann tun sie dies meist mit der selben Leidenschaft, mit der sie ihren Golf GTI tunen: Hier einen kleinen Goldkettchen-Heck-Spoiler für die Krawatte, dort einen netten Auffahrlampen-Brillianten fürs Ohrläppchen. Oder sie beeindrucken gleich mit Sternzeichen-Emblem auf krausem Brusthaar. Das passt schliesslich hervorragend zu Feinripp-Unterhemden und hilft bei der Anmache, wenn Autoschlüssel und Motorola unglücklicherweise mal keinen Platz auf der Theke finden. Echte Gentlemen hingegen lassen sich nicht nur regelmässig zur Pedicure blicken, sondern beschränken sich bei der Schmuckwahl auf die einzig wahre Demonstration von Männlichkeit und Stil: Die mechanische Uhr, die in unzählbaren Ausführungen von der Everest-Erstbesteigung bis zur Ärmelkanal-Überquerung schwimmenderweise schon jedes Abenteuer mitgemacht hat. Aber wie soll die Quarz-Uhren-gewöhnte Frau da noch den Überblick behalten, was die Ausbuchtung an seinem Hemd zu bedeuten hat? Und auf welches nicht weniger gefährliche Abenteuer sie sich gerade einlässt?

Eine Anleitung für Frauen:

Wer einmal einem viel versprechenden Sportwagen entstiegen ist, um dann festzustellen, dass Wohnung und erotisches Repertoire des Fahrers im umgekehrten Verhältnis zur PS-Zahl seines Boliden stehen, weiss, dass der Sportwagen des Mannes nur für zwei Zwecke gut ist: Nebenbuhler abhängen und Mini-Trägerinnen zur Verzweiflung bringen. - Und das war dann übrigens auch das einzige mal, dass Ihnen dieser Typ die Tür aufhielt. Hätten Sie jedoch vorhin im Restaurant nur einmal seine Uhr begutachtet, wäre Ihnen das erspart geblieben. Denn, wohl nichts verrät mehr über einen Mann, als das Zeitmessgerät an seinem Handgelenk. - Im soeben genannten Fall wäre es höchstwahrscheinlich das Produkt einer weniger als zwanzigjährigen Uhrenmarke gewesen. Um das zu erkennen (und weitere Katastrophen zu verhindern), muss frau jedoch ein Gebiet betreten, dass ihr normalerweise völlig fremd ist: Die für einige wenige Männer ungemein reizvolle Welt der mechanischen Uhr. 

Die meisten Frauen möchten gar nicht wissen, ob das da an ihrem Handgelenk nun durch Bewegung aufgezogen wird (Automatik), oder täglich von Hand aufgezogen werden muss (Handaufzug). Frauen tragen modische Quarzuhren (Batterie). Sie folgen damit einem Trend oder ihrem Stil und wollen nichts anderes, als die Zeit kennen. Und warum? Weil Quarzuhren ebenso schön, aber kurzfristig einfacher und zuverlässiger sind als mechanische Uhren. Und weil eine Uhr nur ein weiteres Schmuckstück in einer grösseren Sammlung von Ohrringen und Colliers darstellt. Basta. Echte Männer hingegen tragen echte mechanische Uhren; weil Uhren schon immer so waren, weil Pünktlichkeit nicht von der Uhr diktiert werden muss und weil mechanische Uhren dem Spieltrieb jedes Mannes gerecht werden. Oder weshalb sonst wäre ein Mann bereit, für einen völlig überflüssigen mechanischen Wecker-Zusatz dreistellige Summen zu bezahlen? Oder vierstellige Unsummen für einen mechanischen Tiefenmesser, der nach jedem Bad (Tauchtiefe 90cm) penibel wie eine Schusswaffe gereinigt werden muss? – Jede billige Digital-Uhr hat unzählige solcher Gadgets inklusive! Und wohlgemerkt: An jeder Ecke hängt eine Uhr, sogar jedes Mobilephone hat eine Zeitanzeige dabei, und jemandem um Zeit zu fragen, hätte ja auch seinen Reiz.

Aber nein: Männer tragen mechanische Uhren, weil sie wie die perfekte Frau sind. Mann hat seine Uhr ein Leben lang, sie ist treu und jede hat mindestens eine Macke, die man ihr gerne verzeiht. Und die sie wiederum einzigartig macht.

Schon das Ritual, dem Sohn die erste Uhr weiterzugeben, ist eine der wichtigsten Lektionen im Leben eines werdenden Mannes, auf was es im Leben ankommt. Und zu wissen, dass man mit seiner Speedmaster bis auf den Mond fliegen könnte, beruhigt allemal beim abendlichen Versprechen, ihr die Sterne vom Himmel zu holen. Jeder Kratzer ist eine abendfüllende Erzählung an sich (da hab ich meinen Jagdhund aus der Dornenhecke befreit) und jede Rückfrage würde mit eben einer solchen Erzählung belohnt werden, die mehr über ihn verriete, als seine Memoiren. Schon das Wort an sich, die Uhr, ist weiblich, die Formgebung sowieso und fast jedes einzelne Bestandteil erinnert an eine Frau. Die Unruhe, zum Beispiel. Ganz zu schweigen von der Grande Complication. 

Ein solcher Uhrenliebhaber ist wahrscheinlich mit das Beste, dem frau begegnen kann. Ihn zu erkennen, ist aber fast unmöglich: Denn ein wahrer Uhrenliebhaber wird sich grösste Mühe geben, seine durchschnittlich 40 Millimeter dezent hinter den Manschettenknöpfen zu verbergen. Erst recht, wenn er die 100'000er Preisgrenze überschritten hat. Wenn Sie also eine exhibitionistisch präsentierte goldene Rolex erspähen, lassen Sie sich nach dem Nasepudern besser entschuldigen. Denn entweder ist es eine Kopie, eine unheilbare Geschmacksverirrung oder die fehlende Grösse gewisser Körperteile, die ihn zu einem solchen Schritt trieben. Und fragen Sie bitte nie nach dem Preis; diese Angabe werden Sie erst dann erhalten, wenn er als Ihr Göttergatte die siebzehnte Uhr für seine Sammlung anschaffen möchte. Dann werden Sie übrigens auch verstehen, weshalb die Uhrenhersteller immer wieder Heliumventile, Wecker, Tiefenmesser, Argongasfüllungen und Trockenkapseln einbauen: Wie sonst liesse sich der Kauf einer Uhr vor Ihnen als letzte und massgebende Instanz rechtfertigen? – Der Kauf einer Uhr, die in der Herstellung gerade mal einen Fünftel dessen kostet, was er hinblättern müssen wird?

Aber keine Sorge: Männer, die Geld für Uhren ausgeben, verschulden sich nie. Und wenn, dann nur ein ganz klitzeklein wenig (Schliesslich ist ja auch fast jedes Blaublut der Leibeigene seiner Bank). Was frau dann mit einem verständnisvollen Lächeln abtun sollte. Und vielleicht mit ein paar neuen Schuhen begiessen sollte. 

Soweit waren wir aber noch gar nicht, also nochmals zurück zum ersten Date: Fragen Sie ihn einfach, wie spät es ist und werfen Sie ganz dezent einen Blick auf seine Uhr. Wenn sie in der Schweiz hergestellt wurde, haben Sie die erste Hürde geschafft. Deutschland und Italien können zwar auch hervorragende Zeitmesser herstellen, aber diese Uhrenmarken zu erkennen, behalten wir uns für die Fortsetzung dieses Kurses vor. 

Beobachten Sie jetzt den Sekundenzeiger; springt er jede Sekunde nervös weiter, haben Sie eine Niete gezogen, Sie haben es mit einer Quarzuhr zu tun. Ab zum Nasepudern. Gleitet der Zeiger jedoch unmerklich übers Zifferblatt, können Sie das erste mal „Bingo“ melden. Aber leise bitte, Sie wollen ihn ja nicht erschrecken. 

Sprechen Sie ihn jetzt auf seine Uhr an, machen Sie ihm ein kleines Kompliment und erwähnen Sie ganz beiläufig, dass Ihr Vater leidenschaftlicher Uhrensammler war und Sie dieses Modell noch nie gesehen haben. Entweder erfahren Sie jetzt, dass er diese Uhr einfach aus einer Laune heraus kaufte (60% Chance) und nichts darüber weiss; oder er errötet und sagt, die Uhr hätte ihn einen Hunni gekostet und würde ihm nur zur Zeitanzeige dienen (37.5% Chance). Letzteres hätte dann wieder das Nasepudern zur Folge, die erste Variante verdiente jedoch eindeutig weitere Chancen. z.B. ein ausgiebiger Test seiner Tischmanieren. 

Wenden wir uns aber wieder dem Jackpot zu: In ganz, ganz seltenen Fällen (2.5%) nämlich, werden Sie nicht nur „Bingo“ sagen, sondern den Joker ziehen; dann, wenn Sie ein verschämtes Leuchten in seinen Augen bemerken. Und er wird Ihnen für einen ganz kurzen Moment den tiefsten Einblick in seine Seele gewähren, den ein Mann zu gewähren jemals fähig sein kann. Dann wird er Ihnen erzählen, wie er zu dieser Uhr gekommen ist (auf einem Markt in Irland), dass Hemingway mit so einer Uhr die Geschichte vom alten Mann und dem Meer geschrieben hat, oder dass dieses Modell bei der ersten Weltumrundung per Flugzeug dabei war. Und dann werden Sie jeden einzelnen Kratzer im Leben dieses Mannes kennen lernen und überhaupt nicht enttäuscht sein, wenn Sie nachher in einem nicht ganz so arg tiefer gelegten Auto nach Hause gebracht werden; die Türe hält er Ihnen in jedem Fall auf. Und sollten Sie sich trotz Quarzuhr wieder mal verspätet haben, werden Sie von ihm nichts anderes zu hören kriegen, als dass Sie heute wieder blendend aussehen. 

Wenn Sie so einem Mann begegnen, werden Sie zukünftig zwar an jedem Uhrengeschäft Halt machen müssen; aber kein anderer würde nach dem Ohrring tauchen, den Sie, völlig unabsichtlich natürlich, im Meer verloren haben. - Notfalls bis runter auf 2000 Meter; denn das hält seine IWC ja schliesslich aus...

   

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Year of first Publication: 2000
 


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