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First Impression - second Opinion
Die Freude war gross, als
die 1997 in Konkurs gegangene Zodiac von neuen Eigentümern (Fossil) kürzlich
wiederbelebt wurde. Schliesslich gelten die Taucheruhren der Marke als
eine der ältesten Vertreter ihrer Gattung. Noch grösser war die
Freude, als Zodiac nach einer Fülle von Batterie-betriebenen Taucheruhren
im Jahr 2006 endlich auch wieder eine mechanische Taucheruhr im Sortiment
hatte; selbst wenn diese optisch und namentlich wenig mit der legendären
Sea Wolf gemein hatte. Gar riesig war die Freude, als die bis 200 Meter
wasserdichte Oceanaire (Ref. ZO8000) mit einem äusserst attraktiven Preis in den
Fachhandel kam.
Nichtsdestotrotz konnte die in zahlreichen Varianten
erhältliche Zodiac auf den zweiten Blick nicht restlos überzeugen – und so
bleibt sie derzeit wohl nur ein (hoffentlich) erster viel versprechender
Versuch, das Erbe eine der traditionellsten Taucheruhren-Familien
anzutreten.
Es wird gerne vergessen,
dass das Jahr 1953 nicht nur für Rolex und Blancpain einen Auftakt zu
Taucheruhren darstellte, die in ihrer Form bis heute fast unverändert
geblieben sind. Nur zwei Jahre später nämlich lancierte Zodiac ebenfalls eine
Taucheruhren-Linie, die nicht minder erfolgreich gestartet war, aber im
Verlauf der folgenden Jahrzehnte mitsamt dem Unternehmen zunehmend in den
Hintergrund trat. Die als Sea Wolf bekannten Uhren waren zwar bis zum
Konkurs des Unternehmens im Jahr 1997 präsent, spielten aber selbst mit
einer sukzessive erhöhten Wasserdichtheit von bis zu 1'000 Meter (Ref.
506.54.44) nicht mehr in der Liga mit, die man in den 60er-Jahren für sie
vorgesehen hatte. Damals vertrauten selbst die Taucher der U.S. Navy
Demolition Teams auf die Sea Wolf (mehr zum historischen Hintergrund der
Sea Wolf erfahren Sie hier).
Entsprechend gross war
die Freude, als an der Basler Uhrenmesse im Jahr 2006 wieder eine
mechanische Uhr der Marke Zodiac vorgestellt wurde. Besonders, da die
knapp 42mm grosse Uhr
mit einem Einstiegspreis von CHF 595.- (Variante mit Kautschukband; CHF
695.- werden für die Variante mit Stahlband aufgerufen) eine der derzeit
attraktivsten Taucheruhren mit Schweizer Bestandteilen darstellt. Die auf
der Rückseite als
Divers Club bezeichnete Uhr ist im Vorstellungsjahr 2006 in drei Varianten erhältlich: Gelb (Ref.
ZO8003), orange
und schwarz (Ref. ZO8000); jeweils mit schwarzem Kautschuk- oder Stahlband. Optisch hat
die Uhr sehr wenig mit ihren Vorgängerinnen gemeinsam; einzig die
überdimensionierten Indexe bei 12, 3, 6 und 9 lassen – sieht man vom Logo
ab - eine äusserliche Ähnlichkeit erahnen.
Im Innern der bis 200 Meter wasserdichten Uhr
verrichtet - nicht wie ursprünglich erwartet - ein ETA 2824-2 seinen
Dienst, sondern laut Uhrenmagazin 9/06 ein von Claro Semang angebotenes
Werk namens CL 888 (21'600 A/h). Die Uhr verfügt zudem über ein nicht-entspiegeltes Saphirglas,
eine opulent geschützte, verschraubte Krone bei 4, eine in dieser
Preisklasse grandiose Bodengravur und ein exzellent verarbeitetes
Zifferblatt mit markanten Zeigern. Mit ihrem asymmetrischen und weit
herabgezogenen gebürsteten Gehäuse trägt sie sich äusserst angenehm und
die Lünette rastet sauber und angenehm schwergängig ein. Kurz gesagt:
Diese Qualität und Präsenz am Handgelenk zu einem solchen Preis machen es
fast unmöglich, nicht sofort schwach zu werden.
Gleichzeitig muss sich
der zukünftige Besitzer aber im Klaren sein, dass die Zodiac zwar günstig,
aber nicht in jedem Aspekt preiswert ist. So wurde zwar viel in die
Qualität der augenscheinlichsten Aspekte gelegt, bei genauem Hinsehen
offenbart die Uhr aber dennoch unschöne Schwachstellen: Einerseits ist das
Zifferblatt von grosser , fast zum Kitsch neigender Detailliebe geprägt: Aufgesetzte, umrandete
Indexe, ein eingelassenes Logo bei 12, der aufgesetzte Schriftzug und die
Sonnenstrahlen-artige Gestaltung des ersten Viertels des Zifferblattes
sind von ausgezeichneter Qualität; was die Uhr aber in dunkler Umgebung zu
leisten vermag, ist – im wahrsten Sinne des Wortes – kein Highlight: Man
ist versucht zu sagen, der Hersteller habe Leuchtpunkt und Leuchtmasse mit
fast schon penetrant weisser Farbe verwechselt. Als ebenfalls nicht ganz über jeden Zweifel
erhaben erweisen sich gewisse Bestandteile des Werkes: Der Sekundenzeiger
ruckelt und gleitet in unregelmässigsten Abständen übers Zifferblatt, und
teilweise könnte man meinen, die Zodiac sei am Ende doch von einem
Quarzwerk angetrieben (wie sich das in der Realität zeigt, sehen Sie
hier) . Die knapp 20 Sekunden Vorgang pro Tag lassen
ebenfalls vermuten, dass die Hingabe beim Werk weniger stark war, als die
Detailliebe, die man beispielsweise dem Gehäuseboden zukommen liess. Es
bleibt zu hoffen, dass das vorliegende Modell in diesem Punkt eine
Ausnahme darstellt.
Und dass die
Datumsanzeige unnötig dominant zwischen 3 und 6 platziert wurde (sie hätte
perfekt in Grösse und Form bei 3 gepasst), ist Geschmacksache; dass deren
äusserer Radius aber nicht mit dem äusseren Radius der Indexe harmoniert,
ist schon eher störend. Hier zeigt sich einmal mehr, dass sich des
Designers Wunsch nach grossen Uhren nicht immer mit der Verfügbarkeit an
passend grossen Werken deckt.
Etwas skeptisch wird man
bei der Lektüre des etwas generisch gehaltenen Begleitmaterials
(Garantiekarte, Garantie-Broschüre und Bedienungsanleitung): Die Garantie
über zwei Jahre umfasst lediglich Glas, Zifferblatt und Zeiger, explizit aber
nicht
das Gehäuse. Der Hinweis „Tauchen Sie die Uhr nicht ein“ bezieht sich zwar
ausschliesslich auf die empfohlene Reinigung der Uhr, dennoch bleibt so
ein schaler Beigeschmack zurück; erst recht, da praktisch nicht auf die
Funktionsweise einer Taucheruhr eingegangen wird, dafür aber Tachymeterskala und Co. ausreichend erklärt werden.
Das Kautschukband ist
ebenfalls ein Indiz dafür, dass die Uhr nicht unbedingt als Taucheruhr
konzipiert wurde: Über einen Tauchanzug wird "mann" die Uhr in der Form kaum bringen.
Dafür überzeugt auch das Band wieder mit zahlreichen gestalterischen Details, die über diesen
Missstand hinwegblicken lassen.
Somit wird der Käufer
einer Zodiac dieser Linie zwar eine modische Uhr im starken Taucher-Look erhalten,
sollte sich aber vielleicht zweimal überlegen, ob er diese auch
tatsächlich für diesen Einsatzweck verwenden möchte. Falls ja, wäre der
Griff nach einer bedeutend günstigeren Seiko oder Citizen vielleicht
ratsam. Gerade da sich die Zodiac ja punkto Gehäuseform stark an den
Modellen asiatischen Ursprungs orientiert.
In diesem Sinne bleibt zu
hoffen, dass die aktuellen Besitzer der Marke sich bei künftigen
Taucheruhren-Entwicklungen nicht nur auf das Gründungsjahr 1882 berufen,
sondern vermehrt auch auf die tatsächliche Historie der Sea Wolf Wert
legen.
In jedem Fall hat das erste mechanische Modell aber viel Appetit
auf kommende Modelle gemacht. Und man ist - angesichts zahlreicher
vordergründiger Stärken - gewillt, ihre - hintergründigen - Schwachstellen
zu ignorieren. |
DATEN
Modell: Zodiac 200m
Referenz-Nummer: ZO8000
Gehäuse: Stahl, wasserdicht bis 200 Meter
Werk: Claro Semang CL888 mit automatischem Aufzug, 21'600 A/h, 18
Rubine, ca. 36h Gangautonomie
Bandanstossbreite: 24mm
Durchmesser: 45mm
Höhe: ca. 16mm
Gewicht: ca. 220 Gramm mit Stahlband
Band: Kautschuk- oder Stahlband (aufpreispflichtig)
Zifferblatt-Varianten: orange, schwarz, gelb
Preis (2006): CHF 595.- (Kautschukband), CHF 695.- (Stahlband) |
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